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grössere Metallstücke oder Metallstaub oder auch „ Metallmohre
gilt es, die Oberflächenadsorption, die durch diese bedingte Kon
zentrationsänderung und Diffusionswirkung sowie die elektrische
Ladung zu berücksichtigen. Nimmt man aber kolloide Substanzen
zu Katalysatoren, so kommt zu all diesen Momenten noch als weitere
Störungsmöglichkeit die diesen Gebilden in so hohem Masse eigene
Veränderlichkeit nach Grösse und Art ihrer Oberfläche, mithin eine
weitere Summe von Erscheinungen, deren Studium schon jetzt in
seinen Anfängen ein eigenes Spezialgebiet ausmacht.
Trotz des Bestehens all dieser Störungsmöglichkeiten, deren jede
einzeln bereits zu einer Abänderung des Reaktion sVerlaufes die Ver
anlassung sein kann, lehrt aber die Erfahrung, dass bei sorgfältiger
Einhaltung möglichst einfacher, gleichartiger Bedingungen konstante
regelmässig reproduzierbare Resultate erhalten werden. Unter be
sonders geeigneten Umständen gelingt es sogar, auch hier die kata
lytische Beschleunigung in ihrer reinen Form zur Beobachtung zu
erhalten. In besonders schöner Weise ist dies von Bredig 1 ) bei
der H 2 02-Katalyse gezeigt worden, bei der mit und ohne Kataly
sator (kolloidales Platin) der Reaktionsverlauf (irreversibel) derselben
Kurvenart angehörte, ja sogar, abgesehen von der veränderten Ge
schwindigkeitskonstante. der gleichen mathematischen Formulierung
entsprach.
Da aber die nähere Besprechung dieser Bredigschen Ver
suche, welche unmittelbar in das Gebiet der Biologie überleiten, dem
nächsten Abschnitt Vorbehalten ist, möchte ich hiermit die allgemeine
Uebersicht über die Lehre von der Katalyse schliessen. Zwar hat
1) Bredig, Anorg. Fermente 1901. Cf. auch Zeitschr. f. physik. Chem.
31, 281—292. Es konnte nachgewiesen werden, dass auch unter der Ein
wirkung des Platinsols die Reaktion nach der für irreversible monomoleku-
d x
lare Vorgänge charakteristischen Gleichung — K . (a—x) verlief. Nur die
Konstante (K), welche die Reaktionsgeschwindigkeit angibt, hatte sich geän
dert. Trotz dieser sich zahlenmässig ergebenden Uebereinstimmung der quan
titativ-zeitlichen Verhältnisse kann es — und dies ist bezeichnend für die
Schwierigkeiten, welche der Uebergang von der homogenen zur heterogenen
Phase mit sich bringt — nichts weniger denn als sicher gelten, dass auch
bei den Versuchen der Platinsolkatalyse das Massenwirkungsgesetz für die
Art des Ablaufes allein bestimmend gewesen ist. Nach Nernst ist es viel
mehr möglich, dass die chemische Umsetzung an der Oberfläche des Metalls
so gut wie momentan vor sich geht und dass das, was als Geschwindigkeit
der Reaktion gemessen wurde, einer Dift'usionsgeschwindigkeit (die nach den
angestellten Berechnungen zu dem gleichen Resultat führen könnte) entspricht.

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