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Auch sonst gibt es keinen Weg, sie theoretisch zu bestimmen;
sie muss für jeden einzelnen Vorgang rein empirisch ermittelt werden.
Derartige Messungen haben nun ergeben, dass sie für einen
und denselben Vorgang keineswegs konstant ist, vielmehr erweist
sie sich in ganz erheblichem Grade von den vorhandenen Nebenum
ständen abhängig. Am bekanntesten ist ihr Ansteigen bei Erhö
hung der Temperatur; nach den zahlreichen Messungen zwischen 0°
und 200° entspricht im Durchschnitt einem Temperaturanstieg von
etwa 10° eine Verdoppelung bis Verdreifachung der Reaktionsge
schwindigkeit 1 ). In ähnlicher Art vermögen auch sonstige Einflüsse 1 2 )
sich geltend zu machen, so z. B. Licht, Druck und manches andere.
In besonders hohem Masse aber lässt sich eine derartige Be
einflussung der Reaktionsgeschwindigkeit durch den Zusatz geeig
neter „katalytischer“ Stoffe erreichen. Zu solchen zählt nach der
gegebenen Definition auch das Medium, in dem sich die Reaktion
abspielt, das Lösungsmittel der reagierenden Stoffe. So hat Men-
schutkin 3 ) die Geschwindigkeit der Reaktion N^Hs^ -f- C2H5J
= N(C2H 6 ) 4 J [Triäthylamin-)-Jodäthyl = Tetraäthylammoniumjodid]
unter sonst gleichen Bedingungen in den angegebenen indifferenten
Medien einer vergleichenden Untersuchung unterzogen und dabei
die folgenden Differenzen erhalten:
Name des Mediums
Geschwindigkeit:
Hexan
1 (als Einheit gesetzt)
Benzol
38.2
Brombenzol
150.0
Aceton
337.7
Benzylalkohol
742.0
Aber derartige hochgradige Unterschiede in der Beschaffenheit
des Mediums sind keineswegs zum Zustandekommen energischer ka
talytischer Beeinflussungen Vorbedingung. Auch in einem und dem
selben Medium, beispielsweise der wässerigen Lösung, ist es leicht,
durch Zufügung minimaler Mengen eines Katalysators ähnliche Va
riationen der Reaktionszeiten hervorzurufen. Die Zahl der hierher
gehörigen Beobachtungen ist eine ausserordentlich grosse; selbst
wenn man nur die von physikalisch-chemischer Seite quantitativ
genau verfolgten Fälle auswählt, ist es unmöglich, sie hier wieder
zugeben. Es handelt sich aus analytischen Gründen zumeist um
1) cf. Cohen, Yorträge f. Aerzte über physikal. Chem. 1901. p. 37.
2) cf. vant Hoff, Studien zur chem. Dynamik 1896. p. 31.
3) Zeitschr. f. physik. Chem. 6. 41.

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