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teilen Prüfung entzieht, war gleichbedeutend mit dem Niedergang
des Interesses an katalytischen Beobachtungen. Nur von verein
zelten Autoren, so namentlich von Schönbein, der sich an die
sem Streit der Theorien nicht beteiligte, wurde noch weiterhin Ma
terial, welches in dieses Gebiet gehörte, gesammelt. Ein allgemeines
Interesse an derartigen Studien war nicht mehr vorhanden.
Dies war der Stand der Dinge, als die zur selbständigen Wis
senschaft herausgewachsene physikalische Chemie anfing, sich mit
der Ausarbeitung der Gesetze des Reaktionsverlaufes zu beschäftigen.
Um das, was bislang mehr oder weniger verschwommen sich unter
den misskreditierten Begriff der Katalyse zusammengefasst fand, auf
das V orhandensein eines berechtigten Kernes zu prüfen, bedurfte es
vor allem einer hypothesenlosen, experimentell zugänglichen Defi
nition der zu untersuchenden Erscheinungen. 0 s t w a 1 d hat eine
solche in der folgenden, jetzt allgemein gebräuchlichen Form ge
funden : „Ein Katalysator ist jeder Stoff, der ohne
in den Endprodukten einer chemischen Reaktion
zu erscheinen, ihre Geschwindigkeit verändert“.
„Ein solcher Vorgang selbst heisst Katalyse“.
Auf der Grundlage dieser scharf umgrenzten Definierung hat nun
die experimentelle Bearbeitung erfolgen können.
Dasjenige, was unter den bisherigen Resultaten dieser Forschung
mir vom Standpunkt des Mediziners aus als das wesentlichste er
scheint, möchte ich in der folgenden Zusammenstellung wiedergeben.
Die Vorbedingung für die Aufgabe, die Beschleunigung einer
Reaktion zu untersuchen, ist naturgemäss die Kenntnis des Ablaufs
der unbeeinflussten Reaktion.
Es sei eine bestimmte chemische Reaktion bei einer bestimmten
Temperatur gegeben, z. B. der Zerfall des H 2 Oq bei 40° in H a O + 0.
Abstrahiert man hier von allen störenden Momenten, z. B. Selbst
erwärmung infolge der Zerfallsreaktion, Differenzen im Sättigungs
grad der Flüssigkeit bezüglich des Sauerstoffs und anderen, so folgt
aus dem Guldberg-W aage sehen Massenwirkungsgesetz, nach
welchem die chemische Wirkung der Konzentration des reagierenden
Körpers proportional ist, dass die Reaktion sich mit einer ständig
abnehmenden Geschwindigkeit vollziehen wird. Am Anfang, wo
die Konzentration, d. h. die reagierende Masse am grössten ist.
muss dementsprechend auch die Geschwindigkeit des Zersetzungs
vorganges maximal sein; bei zunehmender Dauer der Reaktion wird
die Restmenge von H2O2 zunehmend kleiner, damit wird sich auch

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