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stoff bekannt waren, so untersuchte Schönbein 1 ) auf die gleiche
Wirkung die organischen Stoffe resp. organischen Fermente: Kleber,
Diastase, Emulsin, Myrosin, Hefe und wässerige Auszüge aus hun
derten verschiedener Pflanzen, Schimmelpilzen, Samen von Gerste,
Hafer, Hirse, Mohn, Kresse, Wurzeln von Leontodon taraxacum,
Lactuca sativa, Kartoffelschalen u. s. w. Bei allen diesen stellte er
die gleiche Wirkung wie beim Platin fest; sie katalysierten die
H 2 02-Zersetzung in lebhafter Weise. Ebenso wie bei den Kataly
satoren bedurfte es auch bei den Säften und Fermenten nur einer
minimalen Menge des Zusatzes zur Hervorbringung jener Wirkung;
ferner erkannte er, dass, wie beim Platin durch Anwendung von
Siedehitze oder durch Zusatz von einer Spur Blausäure die kataly
tische Fähigkeit verloren ging, so auch bei den organischen Stoffen
die katalytische Wirksamkeit auf H2O2 durch die gleichen Mass
nahmen zum Verschwinden zu bringen war. Das Ergebnis, welches
er aus diesen Untersuchungen zog, war ebenso interessant wie weit
gehend : „Es scheint mir nun eine höchst bemerkenswerte Tatsache
zu sein, dass alle die genannten fermentartig oder katalytisch wir
kenden (organischen) Substanzen auch die Fähigkeit besitzen, nach
Art des Platins das Wasserstoffsuperoxyd zu zerlegen, ein Zusam
mengehen verschiedener Wirksamkeiten, welches der Vermutung
Raum geben muss, dass sie auf der gleichen Ursache beruhen“.
„Die Ergebnisse meiner neuesten Untersuchungen haben mich in
meiner alten schon zu wiederholten Malen ausgesprochenen Ver
mutung nur bestärken können, dass die durch das Platin bewerk
stelligte Zerlegung des Wasserstoffsuperoxyds das Urbild aller Gä
rungen sei und deshalb auch geneigt gemacht, die Deutung, die ich
jenem Vorgänge gebe, im allgemeinen auf sämtliche katalytische
Erscheinungen auszudehnen.“ An derartigen Hinweisen auf die
biologische Bedeutung der Katalyse hat es zu jener Zeit auch sonst
nicht gemangelt. Auch Berzelius schrieb 1 2 ): „Wir bekommen
begründeten Anlass zu vermuten, dass in den lebenden Pflanzen und
Tieren tausende von katalytischen Prozessen zwischen den Geweben
und den Flüssigkeiten vor sich gehen und die Menge ungleichartiger
chemischer Zusammensetzungen hervorbringen, von deren Bildung
aus dem gemeinschaftlichen rohen Material, dem Pflanzensaft und
dem Blut, wir nie eine annehmbare Ursache einsehen konnten, die
1) Journ. f. prakt. Chem. (I) 89. 24, 325—334. cf. Neumeister, Phy-
siolog. Chemie 1897. p. 104.
2) Berzelius, Lehrbuch der Chemie (3. Aufl.) 6. 22.

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