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III. Lat. Mons Jovis, nfrz. Mont-Joux.
Der Grosse St. Bernhard hat mit Sicherheit seit alten Zeiten
den Namen Mons Jovis geführt.*) Dies geht einerseits aus ver
schiedenen Texten des IX., 1 2 ) X. und XII.s. 3 4 5 ) hervor, andrerseits
aus den Bezeichnungen Mont-Joux und Plan de Joux, welche die
Bergspitze und der Platz in der Nähe des Hospitals bis auf den
heutigen Tag bewahrt haben. Zahlreiche Inschriften* bekunden,
wie ergeben die Heiden dem Jupiter Poeninus oder bloss Poeninus
waren. Des Interesses wegen sei eine davon in der Mommsen-
schen Entzifferung wiedergegeben:
Jovi Poenino Lucius Paccius, Luci filius. / Nonianus
Fundis (= aus Fundi) / centurio Legionis VI. victricis, piae
fidelis / Ex Voto.
Auch die Spitze des Kleinen St. Bernhard [Mons Graius]
war .dem Jupiter geweiht. Die berühmte Säule aus porphyrischem
Gneis auf der Spitze des Berges hiess columna Jovis, und noch
1177 trug das Hospital den Namen Domus pauperum montis Jovis.
Der Berg selbst hiess Mons Columnae Jovis und im XIV. s. Mont
Jouvet [cf. Carlo Promis].
Nach dem Gesagten ist anzunehmen, dass in den afrz.
Texten der Grosse St. Bernhard gemeint ist. Im Einzelnen lässt
sich der Beweis nicht erbringen, da die afrz. Reiseangaben zu
ungenau und zu lückenhaft sind.
IV. Lat. dies Jovis bez. Jovis dies, frz. le jeudi.
Die planetarischen Namen der frz. Wochentage stammen
bekanntlich von den Römern. 6 ) Diese hatten sie wieder im ersten
vorchristlichen Jahrhundert von den Ägyptern übernommen. Obwohl
die siebentägige Woche und ihre Tagesbezeichnungen schon zu
Beginn unserer Zeitrechnung») allgemein beliebt und verbreitet
waren, wurden sie offiziell noch lange Zeit ignoriert und erhielten
erst im Jahre 321 durch Constantinus bürgerliche Geltung [cf.
codex Iustinianus III, 12, 3]. Zur Verbreitung der neuen Namen
1) Meine Angaben beruhen auf Desjardins.
2) Annales Bertiniani ad. ann. 859.
3) cf. Carlo Promis, Le antichitä di Aosta, p. 124.
4) Die Inschriften sind im Hospiz des Grossen St. Bernhard aufbe
wahrt. Theodor Mommsen veröffentlichte zuerst ungefähr 30 genaue Kopien
davon in den Inscriptiones Confoederationis Helveticae 1854.
5) Für das Frz. kommen in Wegfall dies solis und dies saturni,
welche durch (dies) dominica > dimanche und septima dies > samedi ersetzt
worden sind.
6) Schon Tibull. Eleg. I, 3, 18 nennt den Sabbath dies Saturni:
Saturni ve sacram me tenuisse diem.

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