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Was wir über die Physiologie und Chemie
des Knochenmarks wissen, läßt sich kurz fol
gendermaßen wiedergeben:
Das Knochenmark ist, die Bildungsstätte der roten Blutkörperchen*
Durch Neumann und Bizzozero wurden im Jahre 1868 die
kernhaltigen, roten Blutkörperchen, die man his dahin
nur heim menschlichen Embryo und bei niederen Tieren gefunden hatte,
im roten Knochenmark des erwachsenen Menschen
entdeckt. Beide Forscher knüpften an die Entdeckung die Vermutung,
daß es sich um die Jugendformen der roten, kernlosen Blutkörperchen
handele und stellten fest, daß heim erwachsenen Menschen nur das
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Knochenmark diese kernhaltigen Blutkörperchen besitze und daß sich
durch Verschwinden des Kerns aus den kernhaltigen kernlose rote Blut
körperchen entwickeln. N e u m a n n zeigte später experimentell, wie hei
Tieren nach Aderlässen das rote Mark die Stelle des Eettmarks eiu-
zunehmen und dadurch eine größere Menge von Blutkörperchen zur
Deckung des Verlustes zu liefern bestrebt ist. Mit dieser Tatsache war
freilich noch nicht festgestellt, woher die kernhaltigen stammen und auf
welche Weise aus den kernhaltigen kernlose rote Blutkörperchen werden,
üeuman n nahm an, daß die Vorstufen der Kernhaltigen farblose Blut
zellen seien, Bizzozero, daß die Ausgangsgebilde kern- und hämo
globinhaltige Zellen seien, die sich durch Mitose vermehren. Von den
neueren Forschern auf diesem Gebiete sprechen sich Feuerstack und
Pappen heim für die Entwickelung der roten aus farblosen Zellen
aus und Pappenheim spez. nimmt die basophilen Leukozyten als
Vorstufe der roten Blutkörperchen an und faßt diese Entstehungsart als
hetero plastische Neubildung auf. Vorläufig ist ein abschließendes Urteil
in dieser Frage nicht gesprochen und nach meiner Ansicht auch nicht
so schnell zu erwarten.
Die Umwandlung der kernhaltigen Roten in
kernlose stellt man sich folgendermaßen vor: Entweder wird der
Kern ausgestoßen (Rindfleisch, v. d. Stricht, Saxer) oder er
verschwindet in der Zelle durch Karyolyse. (Kölliker, Neu mann,
Israel und Pappenhei m). Bei dem ersten Umwandlungsmodus
nahm der Begründer dieser Anschauung (Rindfleisch) an, daß der
Kern neues Plasma aufzunehmen und Hämoglobin zu bilden imstande
sei nnd auf diese Weise ein neuer Erythoblast entstehe. Die zweite
Auffassung wurde neuerdings besonders von Israel und Pappen heim
hei Mäuseföten näher verfolgt und als sicher richtig hingestellt. Ehrlich
spricht sich für beide Arten der Entstehung aus und glaubt, daß aus den
Normohlasten durch Kernausstoßung Erythrozyten, aus den Megoloblasten
durch Karyolyse Megalocyten hervorgehen.
Wie weit das rote Mark für die Bildungsstätte der
weißen Blutkörperchen in Betracht kommt, hat Neumann
s. Zt. nicht näher verfolgt. Er nahm an, daß außer Milz und Lymph-

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