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zwischen »Polymerie.« Von den »wahren Condensations-
produkten, den Verbindungen der Moleküle durch Kohlen
stoff,« trennt er scharf »die polymeren Modifikationen, in denen
nicht der Kohlenstoff, sondern der Sauerstoff oder ein anderes
Element, welches diesen vertreten hat, die einzelnen Moleküle
vereinigt.« Am Schluß resümiert Baeyer: »die Bildung poly
merer Substanzen entspricht der Aufnahme von Wasser oder
Ammoniak durch die Anhydride, welche CO enthalten, oder
die Anamide, welche die Gruppe C (NH) oder CN enthalten,
indem gleichartige Gruppen die Rolle des Wassers oder des
Ammoniaks spielen.«
Eine scharfe Trennung in diesem Sinne ist indes nie
gemacht worden; sie würde praktisch auch kaum durchzu
führen sein, weil dadurch der Begriff der Polymerisation von
der üblichen Auffassung eine grundlegende Umgestaltung er
führe, dürfte man doch sodann auch Benzol nicht mehr als
polymeres des Acetylens ansprechen.
Nach der heutigen Anschauung ist Polymerisation ledig
lich das Zusammentreten mehrerer gleichartiger Moleküle einer
einfacher constituierten organischen Substanz, ohne daß dabei
Wasser, Ammoniak oder desgl. austritt, zu einer complicierteren
Verbindung gleicher empirischer Zusammensetzung von höherem
Molekulargewicht.
Polymerisation findet namentlich bei ungesättigten
Kohlenwasserstoffen, bei Aldehyden und stickstoffhaltigen
Verbindungen statt.
Enthält nämlich ein C-Atom ein Element oder ein anderes
Radikal mit mehr als einer Affinität gebunden, so wird diese
Bindung verhältnismäßig leicht, da jedes ungesättigte Atom
eine mehr oder weniger ausgebildete Tendenz nach einem
Zustand größter Sättigung der chemischen Energie zeigt, bis
auf eine Valenz gesprengt, indem die Moleküle, die dadurch
freie Wertigkeiten erlangt haben, sich mit diesen untereinander
zu einem neuen größeren polymeren zusammenschließen.
Dabei braucht naturgemäß ausschließlich C Bindung wie bei
der Condensation nicht Platz zu greifen.
Die Erfahrung lehrt, daß die Eigenschaften der Kohlen
stoffatome durch Vereinigung mit anderen Elementen oder
Radikalen wesentlich geändert werden und ferner, daß die

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