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Diese Verbindungen, 60 ) insonderheit die bimolekularen,
bilden sich, wenn man Natrium unter Gegenwart von ab
solutem Äther auf Alkylcyanide einwirken läßt. Die tri-
molekularen erhält man, wenn man die trocknen Cyanalkine
ohne Lösungsmittel direkt zu metallischem Natrium fließen
läßt. Auch entstehen sie beim Erhitzen der Cyanalkine mit
(rocknem Natriumäthylat auf 140°. Nur die Cyanide der
primären Alkylreste (also z. B. nicht Isopropylcyanid) können
in Cyanalkine übergeführt werden. Der Mechanismus dieser
Reaktionen ist noch nicht genau aufgeklärt; es entstehen dabei
wahrscheinlich zuerst Natrium Verbindungen der Cyanalkine.
Weit größeres Interesse als die verschiedenen auf dem
Wege der Polymerisation entstehenden Körper beanspruchen
die durch Kondensation, d. h. ausschließlich durch C-Bindung
entstehenden Verbindungen. So haben auch von den poly-
molekularen Verbindungen des Acetaldehyds, Paraldehyd und
Melaaldehyd, die wir als durch Sauerstoffbindung verknüpft
ansehen, eine weit geringere Bedeutung erlangt als das Aldol,
in welchem wir die 4 C-Atome in direkter Bindung voraussetzen.
Der von Baeyer gegebene Begriff der Kondensation be
darf indessen noch einer wesentlichen Einschränkung.
Wenn man nach Baeyers Systematik überall da von Kon
densation spräche, wo verschiedene Moleküle unter Kohlen
stoffbindung zusammentreten, könnte man, diese nur wenig
weiter ausdehnend, auch die Ester- und selbst die Salzbildung
als Kondensation auffassen. Dadurch würde dieser Begriff so
sehr erweitert, daß er an Bedeutung und historischer Treue
wesentlich verlöre.
Fest andererseits an die Definition im Sinne Berthelots,
der Vereinigung gleicher Moleküle voraussetzt, darf man sich
auch nicht halten. Der Begriff Kondensation kann unbeschadet
seiner ursprünglichen Bedeutung auf Vorgänge ausgedehnt
werden, wo zwei oder mehr nicht nur gleiche, sondern auch
homologe oder mindestens chemisch ähnliche Moleküle sich
mit oder ohne Austritt von Wasser, Ammoniak oder dergleichen
zu einem neuen Molekül verdichten. Diese Erweiterung der
ursprünglichen Auffassung ist nötig, weil sonst sehr analoge
60 ) E. v. Meyer, J. pr. (2) 37, 481; 38, 336; 39, 188, 544. Holtzwart,
J. pr. (2) 38. 343; 39. 236.

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