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W. Mielck, Acanthometren von Neu-Pommern.
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in der Weise im Wasser schweben, daß die Vertikale durch die beiden Lateralstacheln (Äquatorialstacheln der
kürzeren Achse) bezeichnet wird, während bei den von den Polen aus abgeplatteten Acantharien die Ver
bindungslinie der beiden Pole die Vertikale bildet. Eine Einreihung der Rosettidae, welche mit 20 Stacheln
ausgerüstet sind, auf deren Anordnung das Müller’sche Gesetz wohl anwendbar erscheint, in die Ordnung
der Actinelia möchte ich nicht für richtig halten, sondern sie den Acanthometren mit 20 nach dem
Müller’sehen Gesetze angeordneten Radialstacheln anschließen.
Mir scheint eine scharfe Trennung der konstant nicht die Stachelzahl 20 zeigenden Acantharien
(Actinelia), auf die das Müller’sche Gesetz nicht anwendbar ist, von den Acanthometren erforderlich
zu sein. Solchen Formen kommt eine dem systematischen Range der Acanthophracten, die wie die
Acanthometren 20 nach dem Mül ler'sehen Gesetz angeordnete Radialstacheln besitzen, mindestens gleich
wertige Klassifikationsstufe zu.
Es erübrigt noch, die Stachelstellung und -zahl des Genus Acanthochiasma zu besprechen. Haeckel
unterscheidet unter den Acanthometren mit Diametralstacheln zwei Genera: Chiastolus mit sechszehn
Diametralstacheln (entstanden durch Verwachsung von 32 Radialstacheln) und Acanthochiasma mit
10 Diametralstacheln (entstanden durch Verwachsung von 20 Radialstacheln). Vertreter des durch eine
Spezies, Chiastolus amphicopum H., repräsentierten Genus Chiastolus wurden weder von Popofsky noch
von mir beobachtet. Über Formen, die vielleicht mit Chiastolus in Verbindung gebracht werden können,
werde ich später zu sprechen haben.
Abweichend von Haeckel läßt Popofsky das Müller’sche Gesetz für Acanthochiasma nicht
gelten (Pop. 1904b S. 12 u. 32). In noch unveröffentlichten Aufzeichnungen Bran d ts über Beobachtungen
an Acanthometren des Golfes von Neapel, die mir in freundlichster Weise zur Verfügung gestellt wurden,
ist bereits darauf hingewiesen worden, daß auch auf die Stachelstellung der Acanthochiasmen das Müller’sche
Gesetz Anwendung findet. Auf Grund eingehender Untersuchungen kann ich dies vollauf bestätigen. Stets
und am deutlichsten erkennt man die bekannte Stachelanordnung an Skeletten, deren 10 Diametralstacheln
im Zentrum fest verwachsen sind (wie A. cruciatum und decacanthum) und daher durch Druck nicht ohne
weiteres aus ihrer Lage gebracht werden können. Aber auch Formen mit zehn freien Diametralstacheln
zeigen das bekannte Gesetz, solange die Zentralkapsel unverletzt ist. Daß an und für sich schon das
Müller’sche Gesetz nicht genau stattfinden könnte, weil die Stacheln wegen ihrer Dicke nicht genau
von einem mathematischen Zentrum ausstrahlten, wie Popofsky (1904 S. 12) hervorhebt, dürfte wohl
belanglos sein.
Nachdem aber hiermit dem Mül ler'sehen Stellungsgesetz für Acanthochiasma, die schon von
Haeckel anerkannte Gültigkeit wieder verschafft ist, verliert die Ordnung Actinelia, in der dies Gesetz nicht
besteht, die bei weitem artenreichste Gattung. Acanthochiasma ist also den Acanthometren mit dem
Müll er'sehen Gesetze anzuschließen.
Dieser Versetzung setzt ein Befund scheinbaren Widerspruch entgegen, auf den ich jetzt näher ein
zugehen habe. Unter den zahlreichen Acanthochiasmen, die untersucht wurden, fanden sich zuweilen
neben den zehnstachligen solche Individuen, die nicht die ererbte Zahl von 10 Diametralstacheln sondern
mehr oder weniger besaßen, so daß die Müller’sche Anordnung, welche zehn Diametralstacheln erfordern
würde, keine Anwendung erfahren kann. Diese Variabilität in der Stachelzahl zeigen die Arten A. planum
Pop., A. fusiforme H., A. ralumense n. spec. und schließlich A. rubescens H. (?).
Vielleicht lassen sich solche Befunde mit dem Genus Chiastolus Haeckels in Verbindung bringen,
denn es gelangten gelegentlich auch Formen mit 16 Diametralstacheln zur Beobachtung. Der Haeckel’schen
Diagnose von Chiastolus amphicopum entsprachen davon allerdings keine. Auch Actinastrum ist vielleicht
als ein solches vielstachliges Acanthochiasma zu deuten, bei dem zentrale Stachelverschmelzung eingetreten
ist wie z. B. bei A. planum Pop. var. Schotti Pop.
Die größte Variabilität in der Stachelzahl besteht bei A. planum Pop., das von 6 bis zu 19 Diametral
stacheln aufweist. Natürlich kann in solchen Fällen das Müller’sche Gesetz keine Anwendung finden.
Doch durchweg beobachtete ich Einhaltung desselben, wenn zehn Diametralstacheln ausgebildet waren,
selbst bei A. planum, welches sich in der Stachelzahl, wie bereits erwähnt, am variabelsten verhält und
deshalb am genauesten untersucht wurde. Auf 60 Individuen kommen hier nur 22 zehnstachlige. Die
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