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W. Mielck, Acanthometren von Neu-Pommern.
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er sagt (1906 a. S. 347), es fehle an ausreichenden Kriterien, wann Entwickelungsstadien vorliegen, wann
ausgebildete Organismen.
Eine durchweg gleichmäßige Gestalt und annähernd konstante Zahl der Myoneme zeigt das Genus
Acanthonia. Auf ihre auffällige Größe und im kontrahierten Zustande breit rechteckige, bandförmige Gestalt
macht Popofsky (1905a S. 345) bei seiner Acanthonia abscisa aufmerksam. Ich fand sie bei sämtlichen
Vertretern von Acanthonia von ähnlicher Gestalt und verhältnismäßig beträchtlicher Größe, dabei stets in
nur geringer Zahl.
Eine eigentümliche Modifikation der kontraktilen Elemente beschreibt R. Hertwig als kontraktile
Membran, durch die er ständig an Acanthochiasma rubescens Krohn die Myoneme ersetzt fand (S. 18,
Tafel II Fig. 7 a und b). Auch Brandt beschreibt dieselbe von Acanthochiasma krohni H. als „Dütchen
aus kontraktiler Substanz“ in seinen unveröffentlichten Notizen. An Acanthochiasma krohni H.
konnte auch ich diese Dütchen häufig konstatieren, daneben jedoch fanden sich viele Individuen scheinbar
derselben Spezies mit freien Myonemen. (Vielleicht handelt es sich hier um verschiedene Spezies, die im
übrigen völlig gleich gebaut nur diesen einzigen äußerlich leicht erkennbaren Unterschied in der Ausbildung
der kontraktilen Elemente zeigen.) Dieselben kontraktilen Düten fand ich außer an Acanthochiasma krohni
H. nur noch an zwei zusammengehörigen Acantharien-Arten, nämlich Phatnaspis muelleri H. und Phatnaspis
lacunaria H. (Taf. I Fig. 14, 15, 18) und an deren apophysenlosen Jugendstadien. Die Düten befinden
sich an der distalen Stachelspitze und sind völlig von der Gallerte der Stachelscheide umgeben. Ihre stets
vorhandenen, mehr oder minder deutlichen Längsfalten können am proximalen, vom Stachel abgewandten
Rande in kleine freie Fortsätze auslaufen, so daß die Düten aus einzelnen, verwachsenen Myonemen ent
standen zu sein scheinen.
Die von J. Müller, R. Hertwig und K. Brandt begründeten Kenntnisse über die Fort
pflanzung der Acanthometren haben in neuerer Zeit eine Erweiterung erfahren durch eine in italienischer
Sprache abgefaßte Abhandlung aus dem zoologischen Institut der Universität München von A. Porta. Am
Schlüsse dieser Arbeit gelangt Porta zu folgendem Ergebnis:
„Aus den Sporen bilden sich Acanthometriden mit einem Kern, die ihr Skelett bilden und bis zu
beträchtlicher Größe wachsen. Diese bilden sich allmählich in vielkernige Tiere um.“ Wie dies geschieht,
hat Porta noch nicht vollkommen erklären können, doch hat er sich darüber folgende Meinung gebildet,
die mit der von Hertwig nicht übereinstimmt: „Der einzige Kern der Jugendformen teilt sich in einige
nach Form und Größe verschiedene Kerne. Diese Kerne sind von einer Protoplasmamasse umgeben und
bilden damit unregelmäßige Körper, in deren Innerem sich der Kern in eine große Zahl von anderen Kernen
teilt. Diese Körper, die auch verschiedene Form und Größe zeigen, teilen sich durch Spaltung in kleinere
Körper mit einer geringeren Anzahl von Kernen; diese Körper teilen sich auch ihrerseits noch, indem sich
die Zahl der inneren Kerne allmählich bis auf einen vermindert. Diese Körperchen, gebildet aus einer
Protoplasmamasse, in deren Innerem sich ein Kern befindet, sind die Sporen; wenn sie reif sind, treten sie
aus. Ihre Fortentwickelung ist unbekannt.“
Ein Urteil über diesen wohleinleuchtenden Gang des Kernzerfalles vermag ich nicht auf Grund
eigener Beobachtungen abzugeben. Popofsky (1904b S. 7) beobachtete unter vielen Tausenden von ihm
untersuchten Acanthometriden, selbst unter jungen Exemplaren, nie eine einkernige. Als Mindestzahl konnte
ich in jungen Acantharien zwei Kerne feststellen und zwar besonders häufig in Amphilonchiden. Dagegen
gelangten einkernige Formen nicht zur Beobachtung. Porta fand von fünf Spezies Jugendformen mit
einem Kern, in denen das Skelett bereits vollkommen so gestaltet war, um daran die Art erkennen zu
können und zwar „nicht sehr selten“.
Während der Sporenbildung scheinen viele Acanthometren ihre Kapselmembran zu einer starren
Schale zu verhärten und dann abzusterben, während die Sporen im Schutze dieser Schale eine selb
ständige Individualität erhalten. Zu dieser Annahme führt mich die Auffindung einer Anzahl von
dickschaligen Kapseln (Taf. IV Fig. 6), die in Fängen aus größerer Tiefe (150—200 m) auftraten. In
ihrem meist elliptischen Umriß stimmen sie mit einer länglichen Zentralkapsel überein. Außerhalb der
Kapsel sind die Stacheln alle oder teilweise abgebrochen oder aufgelöst, während das dicht mit Sporen (?)
gefüllte Innere das Skelett noch unversehrt erkennen läßt. Daneben finden sich leere Kapseln, die an

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