Full text: Formelhafte Ausdrücke in Wolframs Parzival

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Die formelhaften ausdrücke des Parz. sollen in ihrem litera 
rischen z u s am me nh an g mit dem traditionellen heimischen 
formelschatz dargestellt werden. In betracht kommen zunächst die 
formein der geistlichen und volksepik des ti. und 12. jhds., also 
etwa die werke: Genesis, Exodus, die ältere und die jüngere 
Judith, die kleineren deutschen gedichte, die Kraus gesammelt 
hat, Kaiserchronik, Alexander, Roland, Rother, Herzog Ernst und 
das Nibelungenlied. Als Zwischenglieder sind heranzuziehen die 
werke der vorwolframischen höfischen kunst, die fragmente Floyris, 
Graf Rudolf, ferner Eilharts Tristrant, der Kanzelet, die Eneit 
und der Erec. Auf Hartmanns Iwein, der uns im gegensatz zum 
Erec den dichter schon im gewande des streng höfischen an 
mutigen erzählers zeigt, ist verzichtet. Ausgeschlossen bleiben 
weiter die in späten bearbeitungen auf uns gekommenen spiel- 
mannsepen Orendel, Oswald und Salman und Morolf; da hier 
älteres und jüngeres nicht mehr sicher zu trennen ist. Auch die 
Gudrun habe ich nicht benutzt, doch an stellen, wo die Zu 
sammenstellungen Panzers in H. G. Vorlagen, auf sie verwiesen. 
Die Übereinstimmungen der formein des Parz. mit denen der 
älteren epen sind von verschiedener bedeutung. Bei den scenen 
des höfischen lebens (abschnitt I—III) ergeben sich natur 
gemäß zahlreiche parallelen mit den andern höfischen epen, die 
noch den formelhaften elementen Spielraum lassen. Diese Über 
einstimmungen sind zwar unten mit angeführt, leisten aber, wo 
die betr. wendung in der älteren dichtung fehlt, für unsere Frage 
wenig; denn was der Parz. hier nur etwa mit Lanz., En. oder 
Er. gemeinsam hat, ist höfisch, nicht volkstümlich. Ähnlich steht 
es mit dem letzten hier in dieser arbeit zum vergleich angezogenen 
glied der heimischen spielmannsepik, dem Nib. Die letzte Schicht 
des Nib. ist eine dichtung von höfischem Charakter, 1 ) und da 
das chronologische Verhältnis dieser jüngsten schicht zu den 
höfischen epen nicht genau festzulegen ist, so muß bei den formel 
haften ausdrücken aus Verhältnissen des höfischen lebens die frage 
der abhängigkeit zunächst offen bleiben. 2 ) 
') Kettner O. N. s. 3. 
5 ) Vom IV. kap. an ist jedoch die gesamte ältere dichtung gleichmäßig 
für unsere zwecke nutzbar zu machen.
	        

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