Full text: Formelhafte Ausdrücke in Wolframs Parzival

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Vielseitig ist er auch inbezug auf seine spräche und 
seine stilmitteL Erscheint er einerseits in hervorragendem 
maße als ein schöpferischer geist, dem die kühnsten vergleiche, 
die absonderlichsten bilder gerade recht sind, 1 ) der seine spräche 
durch neue worte bereichert 2 ) und ungewöhnliche einbürgert, 3 ) so 
hält er doch andererseits in mancher beziehung am althergebrachten 
fest. Der älteren Stiltradition entnahm er nicht nur manche 
konstruktion, 4 ) sondern vor allem auch die »unhöfischen« Wörter, 8 ) 
mit ihr teilt er die Vorliebe für das Sprichwort, 6 ) mit ihr hängt er 
endlich aufs innigste zusammen in den formelhaften ausdrücken. 
Der wert der zahlreichen formelhaften Wendungen des Parz., 
auf den diese Untersuchung sich beschränkt, ist nicht gering an 
zuschlagen. Sie durchziehen das ganze werk und bilden gleich 
sam eine brücke vom alten zum neuen. Sie sind das feste element, 
in das der wechselnde einzelfall, zb. ein empfang oder eine rede, 
mit seinen bei Wolfr. nie fehlenden individuellen momenten ein 
gereiht wird. Das einzelne neue ereignis wird so von vorn 
herein auf ein bestimmtes aus den vorhergehenden Schilderungen 
bekanntes niveau gestellt: ein teil des erzählten ist den hörern 
in dieser form schon längst vertraut; alte associationen werden 
wachgerufen und geben einen hintergrund ab, von dem sich die 
dem vorliegenden einzelfall eigentümlichen neuen züge um so 
wirkungsvoller abheben. 7 ) Die einheitlichkeit der darstellung wird 
also wesentlich gefördert. — 
Auch die jeweilige einzelschilderung erscheint reicher, an 
schaulicher und plastischer, da alle die kleinen einzelnen momente 
’) Zahlreiche belege bei Ludwig, Der bildliche ausdruclc bei Wolfr. 
v. E. Progr. Mies.' 1889 und 1890 und Bock, Ws. v. E. bilder und Wörter 
für freude und leid Q. F. 33. 1879. 
а ) Adjektiva auf -lieh, vgl. Förster s. 25 f. 
8 ) zb. die adjektiva dar, wert, kluoc, gehiure, vgl. Steinmeyer, Über 
einige epitheta d. mhd. poesie, Erlangen 1889. 
4 ) Martin, LXVIIff.; zb. die Umschreibungen. 
б ) Jaenicke, 6 ff. 
6 ; Martin LXXIII. 
’) vgl. zb. bei Parzivals abschied von seiner mutter: fron Herzcloyde 
in kuste (traditionell) und lief im nach 128, 16.
	        

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