Full text: Formelhafte Ausdrücke in Wolframs Parzival

Einleitung. 
Die vorliegende arbeit verfolgt den zweck, i) die hervor 
stechendsten formein in Wolframs Parzival zu sammeln, 2) ihren ge 
schichtlichen Zusammenhang mit deni traditionellen formelschatz 
festzustellen und sie, soweit wie möglich, bis ins geistliche und 
spielmannsepos des 11. und 12. jhds. zurück zu verfolgen, 3) auf 
grund des mehr oder minder häufigen auftretens einer formel in 
den einzelnen büchern des Parz. einen blick in die entstehungs- 
geschichte des Werkes zu tun. 
Den ausdruck »formelhafte Wendung« brauche ich 
als Bezeichnung für einen an verschiedenen stellen des gedichts 
bei der Schilderung verwandter episoden und zustande gleich 
mäßig wiederkehrenden, gleichen oder sehr ähnlichen sprachlichen 
ausdruck des gedankens. Die formel ist also zu trennen von 
der wortwiederholung bezw. der »freiwilligen Wiederholung 
derselben vorstellungsreihe«') und von der parallelerzählung. 
Die wortwiederholung bringt die gleiche oder eine sehr ähnliche 
wendung für denselben begriff in kurzem abstand von dem 
ersten ausdruck, zb. Parz. 160, 16 ff. nu muoz ich atze fruo begraben 
ein sloz ob dem prise. sin herze an zühten wise obem sloze ein 
handveste . . . ., vgl. Behaghel, Kn. CXXI1I ff., Wiegand s. 43 ff., 
W. Vogt s. 3, 59 f. u. ö., Panzer H. G. s. 30 und besonders 
Behaghel Beitr. 30, 432 ff. 2 ) 
*) Behaghel, Beitr. 30,432. 
2 ) Nach Behaghels terminologie fallen die formelhaften ausdrücke unter die 
von ihm nicht behandelte kategorie der »notwendigen« Wiederholungen (»solche 
[notwendige] Wiederholung findet sich denn auch im altdeutschen epos, wenn 
im verlaufe der erzählung die herkömmlichen kämpfe, das ceremoniell der feste, 
der empfange von gasten wiederkehrt« s. 435). 
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