Full text: Deutsche Vagantenlieder in den Carmina Burana

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scimus caeli hinc offensum 
regem immensum. 
Heinrico requiem rex Christe dona perhennem! 
der kexameter bildet den abgesang in dem ganzen liede. 
Ferner führt W. Meyer 1 ein gedieht über die Zerstörung des klosters 
Glonnes im jahre 850 an, dass aus 39 Strophen zu je 4 achtsilblern be 
steht, von denen je 3 Strophen zu einem ganzen vereint sind, indem 
jedesmal 2 Strophen die eine, die dritte eine neue melodie aufweisen; 
und W. Meyer bemerkt dazu: „Wir stossen hier auf die uralte gliederung: 
Strophe, gegenstrophe und epode oder stollen, gegenstollen und ab 
gesang“! 
Infolgedessen halte ich den dreiteiligen strophenbau nicht für etwas 
der lateinischen dichtung fremdes, sondern für eine der vielen aus- 
drucksformen der dichtung im 12. und 13. Jahrhundert, die vielleicht 
in der weniger entwickelten kunst der früheren perioden nicht so stark 
zur geltung gekommen war, nun aber mit der allgemeinen blüte der 
lateinischen poesie wider reichlich verwendet wurde. Und wenn auch 
vielleicht für den Marner um 1230 das deutsche vorbild massgebend 
war, so werden wir doch bis auf weiteres den übrigen erscheinungen, 
die einen so ausgedehnten geltungsbereich andeuten, ihre Originalität 
nicht absprechen dürfen. Dass wir so verhältnismässig wenige Strophen 
in dieser form finden, erklärt sich einfach daraus, dass diese bauart 
eine hohe kunstform war, und die meisten der erwähnten lieder charak 
terisieren sich auch als vollendete producte der bliitezeit. 
§ 4. Allitteration und Wortspiel. 
I. Allitteration. 
Die allitteration ist ein uraltes stilmittel. Die classische poesie der 
Griechen kannte es und die der Römer. Natürlich ist darunter die 
germanische allitteration nicht zu verstehen, die ihre eigenen gesetze 
hatte: sondern es herrscht das bestreben, mehrere Wörter eines verses 
durch gleichen anlaut zu verbinden, um so den musikalischen klang 
zu erhöhen. 
Dieses stilmittel verwenden die mittellateinischen dichter in quan- 
titierender und rhythmischer poesie, ja in prosa. Schon vor der karo 
lingischen zeit war die allitteration ein anerkannter schmuck der dich 
tung 2 , der oft bis zum Übermasse gebraucht wurde. So ist es nicht 
1) Gesammelte ablidlg. I s. 32/33. 
2) Vgl. W. Meyer, Ges. abhdl. II p. 366 ff. 
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