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lateinischen lyrik überhaupt annimmt, da wir sie in den verschiedensten
gattungen allein unter den liedern unserer Sammlung antrafen. Und
wenn wir die oben angeführten lieder auf ihre nationalität hin näher
betrachten, so ergibt sich: aus Deutschland stammt 201 s. 79 als lied
des Marners, aus Frankreich 86 s. 49 und 85 s. 47 1 ; bei Dreves, der
aus einer italienischen handschrift schöpft, stehen nr. 11 s. 8, 15 s. 12,
75 s. 45, 38 s. 125. Im Medicaeus und bei Wright 1 2 steht nr. 40 s. 129,
in einer Erfurter handschrift bei französischem text nr. 44 s. 134 3 .
Also über das ganze gebiet der mittellateinischen dichtung er
streckt sich diese form, wenn wir nur die lieder unserer handschrift
berücksichtigen. Wir finden jedoch bei Dreves 4 noch viele beispiele
des dreiteiligen strophenbaus aus liedern des 12. und 13. Jahrhunderts:
um eines anzuführen: Dreves 21 s. 54 nr. 75
erce festum nobile,
quod dat anni reditns
mundo celebrabile,
in quo sanctus Spiritus
praecordia
replevit fidelium
sua sancta gratia;
andere belege finden sich s. 25. 32. 34. 68. 127 usf.
Angesichts dieser Verhältnisse ist die behauptung, dieses princip
des strophenbaus sei der kunst der troubadours entlehnt, einmal sehr
unwahrscheinlich, da die kirchliche lateinische dichtung bekanntemassen
grundlage für manche einzelheiten in form und inhalt der minnedich-
tung gewesen ist und gerade sie besonders diese form zeigt; und anderer
seits erscheint die dreiteilung der Strophen schon vor dem 12. Jahr
hundert in der lateinischen dichtung. Unter den Cambridger liedern
bietet m. e. nr. III diese form, wenn es heisst (a. 1024):
lamentemur nostra
sodi peccata,
lamentemur et ploremus,
quare tacemus?
pro iniquitate
corruimus late,
1) Ygl. W. Meyer, Fragm. Bur. s. 20.
2) Early Mysteries s. 111.
3) VgL W. Meyer, Fragm. Bur. s. 20.
4) Analecta hymnica bd. 21.

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