Full text: Deutsche Vagantenlieder in den Carmina Burana

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dem osterspiel Fragm. Bur. tf. VIII/XI, wo 23 Strophen dieser art er 
scheinen; die form xaxa. xbxb. xcxc, je getrennt durch eine kurze 
interjection hat dasselbe drama -82 bis -88. Die Strophe 4mal(4xx + 
6 XX)a, also xaxaxaxa bietet nr. 80 s. 167, wo der refrain jede Strophe 
in zwei hälften zerlegt. Durch einen zweisilbler wird eine solche Strophe 
xaxaxaxa abgeschlossen in nr. 82 s. 168. 
Die Verbindung 4XX + 6XX liegt der kunstvollen strophe in nr. 75 
s - 45 zu gründe: sie lautet 2mal (4xXa + 6xXb) + 4xxb + 6xXa, 2mal 
(4xXc + 6xXd) +4xXd + 6xXc, 2mal (4xXe+6XXf), also ababba. 
cdcddc. efef 1 . 
Das ergebnis dieser Übersicht ist demnach folgendes: die vaganten- 
zeile wird zum strophenbau durch einfache aneinanderreihung in 27 
selbständigen gedichten und 17 dramenstücken verwandt; unter jenen 
befindet sich ein strenger leid, und 3 freie leiche; das übrige' sind 
lieder. Der fünfzehnsilbler wird zu solchem strophenbau verwendet in 
10 selbständigen gedichten und 3 dramenstücken; von jenen sind 5 lieder 
4 freie leiche und eines die mischform. 
Daneben aber begegnen Strophen aus einfacher widerholung einer 
zeilenverbindung sehr selten: für 15 Verbindungen treffen wir 12 selb 
ständige gedichte, sämtlich bis auf eines heiter, und 32 dramenstücke 
Von den 12 gedichten sind 6 leiche und 6 lieder. Wir erkennen daraus, 
dass _ abgesehen von der Tagantenstrophe und der fünfzehnsilbler- 
strophe, die eine besondere Stellung einnehmen - die Strophenbildung, 
die in der einfachen widerholung einer zeilenverbindung bestand, nicht 
allgemein behebt war, dass zwar das drama, das ja auch, wie wir sahen 
die einfachen gle,einzeiligen Strophen verwendete, diese form noch in 
grösserem umfang benutzte, die selbständige dichtung des 12. und 13 
jahrhunderts aber s, e als zu eintönig im allgemeinen verschmähte. Immer 
hin scheint die heitere dichtung diese Strophenbildung mehr als die ernste 
gepflegt zu haben, da von 47 gedichten nur 12 ernster natur sind 
2. Für die masse der dichtungen des 12. und 13. jahrhunderts, 
wie sie ausser den Carmma Burarm in den Sammlungen von Wright, 
Du M6nl, Mone, Dreves, in den liedem Walthers von Chatilion 
des Archipoeta, den gedichten der handschrift von St. Omer u. a 
vorliegen, und so auch für die mehrzahl der von uns behandelten lieder 
1) AAenn "“die quantitieiend gemessenen zeilen auch berücksichtigen wollen, 
so wären noch anzufugen die Strophen, die aus der Verbindung 6xx+5xx gebildet 
werden: 8 Strophen der form abab bietet nr. 203 s. 80 -47 vers 19fg., eine solche 
nr. 46 s. l.»o All; eine strophe xaxaxbxb erscheint 44 s. 134 III, eine Strophe 
xaxaxa in 46 s. lo5 VIII. IX. X. r
	        

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