Es bleibt nur noch der fall zu erwähnen, dass einsilbige Wörter
absichtlich aus Spielerei in den jambischen zeilenschluss gestellt werden;
das geschieht in nr. 20 s. 21 111 = VIEL perit lex, Vianet faex, Mbit
grex.., nr. 149 s. 56 III Anna dux, mea lux.., nr. 35 s. 119 YIII me
mergis Mc, cum sis illic, notando sic non stabis liic, nr. 36 s. 121
XVIII4 mea dos, amorum flos, XIX amantum lis, te quicquid vis..,
ähnlich XXIX, ferner XXI = XXX haec est dira sors, nec durior est
mors, nam meae vitae sors.., ebenso nr. 174 s. 233 XV deceptoris est
mos, veloces et tardos et graves fraudet sors-, in diesen letzten zeilen
sind die eigentlichen formen des jambischen Schlusses XXX stark entstellt.
Die lieder sind, wie sich aus den späteren paragraphen ergeben
wird, alle deutscher herkunft und es scheint so, als ob der Deutsche
mit grösserer Vorliebe einsilbige Wörter in den gereimten Schluss stellte:
diese erscheinung erklärt sich auch sehr wol aus deutscher metrik.
Schreiber a. a. o. s. 10 sagt über diesen fall: „während der deutsche
reim von vornherein bestrebt ist, ein logisch bedeutsames wort zu er
fassen, sucht der reim der vagantenzeile durchaus nicht nach besonders
gehaltvoller unterläge, sondern begnügt sich meist mit bildungssilben.
Wo dagegen jenes bestreben in lateinischen rhythmen sich kundgibt,
da finden sich meist auch andere unzweideutige indicien, die germani
schen einfluss zeigen“! 1
§ 3. Strophenbau.
Die in der Benedictbeurer handschrift vorliegenden lieder sind
zum grössten teil mehrstrophig. Von den selbständigen gedichten können
nur nr. 87 s. 50 und 122 s. 196 als einstrophig bezeichnet werden, wobei
jedoch nichts hindert, jedes lied in 2 resp. 3 Strophen zu zerlegen. 1 2
Dann bleiben als entschieden einstrophige gebilde ca. 45 lieder aus den
dramen nr. 202 s. 80, 203 s. 95 und fast alle lieder des Osterspiels Frgm.
Bur. tf. VIII/XI. Das princip der mehrstrophigkeit war in älterer zeit noch
nicht so ausgebildet, insbesondere aber konnte das drama kaum mehr-
strophige lieder brauchen. Für uns kommt, da unsere Untersuchung haupt
sächlich die selbständigen lieder betrifft, nur die mehrstrophigkeit in frage.
Nach der anordnung der Strophen unterscheiden wir mit W. Meyer 1
3 hauptgattungen von dichtungen:
1) Ygl. auch a. a. o. s. 66/67.
2) Nr. 3 s. 3 und 8 s. 6 sind nur in der fassung der CB einstrophig: die Ver
gleichung mit den entsprechenden liedern bei Dreves (anal. hymn. 21 s. 120 und 122)
zeigt, dass sie ursprünglich mehrstrophig sind; nr. 96 s. 52 ist eigentlich ein dramenstiick.
1) a. a. o. s. 173/74.

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