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mittel, über dessen Verwendung allerdings, wie W. Meyer sagt, die
schulmeinungen wol geteilt waren 1 .
Sonst aber wurde daktylischer wortschluss, wie das verhältnis
mässig seltene auftreten zeigt, meist gemieden. Und wenn wir die ein
zelnen fälle, die unsere lieder bieten, durchgehen, so ergibt sich, dass
entschieden die meisten gedichte deutscher herkunft sind: sicher sind es
nr.29 s. 34, 198 s. 76, 201 s.79, 118 s. 193, 138 s.210, 174 s.233, 193
s. 251 und die dramenstücke; wie die später folgenden Untersuchungen
über die besonderen und charakteristischen elemente der technik er
geben werden, sind es ferner nr. 17 s. 14, 197 s. 76, 32 s. 116, 35 s. 119,
36 s. 121, 55 s. 147, 81 s. 167 (erstes lied), 89 s. 172, 96 s. 175, 175 s. 235,
176 s. 236, 182 s. 242; und in diesen liedern zeigt sich der daktylische
wortschluss gerade besonders häufig, wie in 201 s. 79, 193 s. 251, 35
s. 119; wo aber in anderen liedern mehrere fälle erscheinen, trifft es
eben die jambischen sechssilbler (75 s. 45, 157 s. 223).
Auf grund dessen kann man wol behaupten, dass die lateinische
dichtkunst deutscher nation den daktylischen wortschluss mehr und un
bekümmerter verwendete als die französische — wenn wir, wie gesagt,
den jambischen sechssilbler ausnehmen — und dass er deshalb mit zu
den eigentümlichkeiten deutscher vagantenpoesie gehört. Die erklärung
dafür liegt auch nicht fern. Den romanischen Völkern war eine regel
mässige folge des tonfalls inneres gesetz; durch den daktylischen wort
schluss aber trat eine Störung ein, insofern als durch den reinen daktylus
der fluss des rhythmus unterbrochen wurde 1 2 3 ; dies war daher — aus
genommen im jambischen sechssilbler, wo es beabsichtigt war — eine
unharmonische Verwendung des tactwechsels. Der Deutsche dagegen
setzte ohne bedenken in seiner dichtung ein wort mit ‘daktylischem’
tonfall ab: vgl. z. b. Veldegge, MSF 65,28 als die vögele fr&liche, oder
Morungen, MSF 145, 25 höher wip von fügenden und von sinne;
und so setzte der Deutsche auch die zeile pauperie mea conteste in
CB nr. 197 s. 76 III1 s .
Das zweite gesetz des tonfalls innerhalb der zeilen, das
die dichter dej> zweiten periode befolgten, ist die forderung,
dass schwere einsilbige Wörter in zweiter Senkung vermieden
werden müssen; so formuliert es W. Meyer a. a. o. s. 269. Er sagt dort
folgendes: „Wenn zwischen zwei betonten silben nur eine unbetonte
1) a. a. o. s. 267.
2) Vgl. W. Meyer a. a. o. s. 271 fg.
3) Auf die quantität der ersten silbe des ‘daktylus’ kommt es in der deutschen
wie in der lateinischen rhythmik natürlich nicht an!

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