Full text: Deutsche Vagantenlieder in den Carmina Burana

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unterscheidet; ich glaube in 1—2 braucht die Überlieferung nicht ge 
ändert werden; die cäsur, um deren willen die Verbesserungen vor 
genommen sind, ist gerade in diesem lied verschiedentlich nicht correct 
gelegt oder nicht vorhanden: vgl. I 9/10 pietas nec audit supernae 
civitatis, IV 5/6 princeps tenebrarum se sentit gloriari, V 7/8 machina 
corrodit praesentinm malorum, VIII 5/6 ordo prindpatus mentis 
discrepata (hier fehlt offenbar eine silbe); alle diese erscheinungen sind 
nicht auf fehler der Überlieferung zurückzuführen; vielmehr müssen wir 
constatieren, dass in nr. 20 cäsurlose langzeilen von 13 silben unter 
regelrechten Vagantenzeilen stehen; und somit ist es müssig, zeile 1 zu 
ändern; doch kann 3/4 aus grammatischen gründen nicht so bleiben; 
hier scheint Patzigs änderung acceptabel: ich lese folglich II — 4 Roma 
tuae mentis oblita sanitate desipis, cum recipi reris tarditate; 
VIII 9—12 sind wol abzutrennen, so dass str. VIII und IV sich ent 
sprechen; die änderung Patzigs in V 7/8 fällt aus den erwähnten gesichts- 
punkten heraus weg; ob 9 si oder mit der hs. sed zu lesen ist, wage 
ich nicht zu entscheiden; VIII 9 wird veritatis in veritas zu ändern 
sein, und 11 altus mit Patzig in ullus, so dass diezeilen lauten: falso 
quoque veritas convincitur augurio, nec ullus est in Isrähel fidem 
dans centurio. 
No. 23 s. 25 ist bei Dreves s. 161 überliefert; danach bestätigt sich 
die richtigkeit von Wustmanns änderung in 117: zwar liest Dreves 17/19 
ab injustis abdicatur, per quem iuste iudicatur mundus, ich halte 
aber ab inmundis abdicatur für besser; ob 18 iste oder iuste zu lesen 
ist, kann zweifelhaft sein; in 1115 fehlt bei Schmeller eine silbe: es ist 
mit Dreves zu lesen in incerto certum quaere; in 18 fehlen 2 silben: 
Dreves liest et lucrare lucem verae lucis; demgegenüber scheint mir 
besser zu sein et lucrare lucrum verae lucis; in V 15 hat schon 
Wustmann die Schmellersche lesart berichtigt und tibi vor die zeile 
ubi virtus est delictum gesetzt. 
Nr. 24 s. 27 ist im refrain anders abzuteilen: exsurgat deus, et 
dissipet hostes, quos habuit, postquam praebuit Saracenis locum 
quo iacuit. Schon Wallensköld 1 hat bemerkt, dass die zweite Strophe 
richtiger mit Sunamitis clamat pro filio zu beginnen sei; auch hier 
ist natürlich qui occubuit als selbständige zeile abzusetzen; II 10 liest 
W. Helisaeus nisi nunc venerit, was wol richtig ist, da bei Schmeller 
eine silbe fehlt; III4 will W. veniae nach tempus einsetzen: ich halte 
für richtiger, zu lesen iam veniae tempus advenerit, quo potuerit; 
1) Memoires de la soeiete neophilol. ä Helsingfors I s. 96.
	        

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