Full text: Über das Tränenbein der Huftiere

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Fam. II. Suidae. 
Charakteristisch für das Lacrymale der Suidae ist das Vor 
handensein einer, meist halbmondförmig gebogenen, am oberen 
Rande und an der Orbita hin verlaufenden Crista, unterhalb 
welcher das Tränenbein manchmal schwach gehöhlt erscheint. Doch 
handelt es sich nicht, wie Blainville 1 ) meint, um eigentliche 
Tränengruben. Diese fehlen vielmehr. Die Crista teilt das 
Lacrymale im Gesichtsteile in zwei Teile, die fossa lacrymalis 
externa und interna. Die Form des Lacrymale ist je nach dem 
Alter des Tieres sehr verschieden. Bei jungen Tieren ist es ziemlich 
regelmäßig geformt, die obere Kante ist nicht viel länger als die 
untere. Dieses jugendliche Stadium bleibt nach Nathusius * 2 ) bei 
Sus indicus Falc. und Cautley und seinen Verwandten, den 
domestizierten Rassen mit verkürztem Schädel, die ganze Lebens 
zeit über erhalten. Bei Sus scrofa L. und den anderen Wild 
schweinen, wie den davon abzuleitenden Hausrassen, den deutschen 
Landschweinen, dehnt sich das Lacrymale im facialen Teile derart, 
daß es bei erwachsenen Tieren nur dreimal so hoch, aber elfmal 
so lang ist wie bei jungen Tieren. 
Bei S. scrofa L. verhält es sich zur Gesamtlänge des Schädels 
wie 1 : 5,5 (bis 6,5), bei S. indicus Falc. u. Cautly wie 1 : 10. In 
seiner Länge entspricht es ungefähr dem Durchmesser der Orbita. 
An seiner oberen Kante ist das Lacrymale in eine lange Spitze 
ausgezogen, sodaß jene bis zweimal so lang wie die untere wird. 
Diese letztere wird vom Jugale eingeschlossen. Der faciale und der 
orbitale Teil des Lacrymale sind ungefähr gleich groß. Letzterer 
zeigt leistenförmige Erhebungen und an der oberen Naht eine Ein 
senkung. Das Lacrymale bildet etwa 1 / 8 des abgeplatteten 
Orbitalrandes und hat zwei vor oder auf dem Orbitalrande befindliche 
Tränenlöcher. Eingeschlossen wird es von Frontale, Maxillare und 
Jugale. Nur bei den Gattungen Phacochoerus Cuv. 1817 und 
Ilylochoerus Thomas 1005 erreicht es das Nasale. Für Phacochoerus 
Cuv. weiter charakteristisch sind der gerade, der oberen und der 
unteren Kante parallele Verlauf der Crista und zwei auf dem 
Orbitalrande befindliche Tränenlöcher. 
Phacochoerus Cuv. nahe steht die neue Gattung Hylochoerus 
Thomas 1905. Diese, von der ich nur Schädel selbst untersucht 
habe, stellt darnach und nach der Beschreibung in den Proceedings 3 ) 
eine Zwischenform zwischen Phacochoerus Cuv. und Pohimochoorus 
Gray 1854 dar. Es ist ein Waldbewohner Südkameruns, des 
Kongostaates und Ostafrikas, also ganz Zentralafrikas, und trägt ein 
schwarzes Borstenkleid. Der Schädel erinnert sehr an Phacochoerus 
Cuv., weicht aber durch das auffallend kleine Oeciput, das hinten 
0 Blainville: „Osteographie“. 
2 ) Nathusius: Vorst, z. einer Gesch. der Haustierrassen, 
®) Thomas: On Hylochoerus“.
	        

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