74
einschnitt. Im innerorbitalen Teile verläuft die obere Kante des
Lacrvmale zunächst senkrecht nach unten, dann rechtwinklig ge
boten nach hinten. Euryceros Gray weicht dadurch etwas ab, daß
bei ihm das Lacrymale im Gesichtsteile etwas länger und schmaler,
auch die untere Kante im Verhältnis zur oberen weniger kurz ist.
Bei der Gattung Strepsiceros H. Sm. ist das Lacrvmale im
facialen Teile auf der ganzen Länge gleich breit, nicht sehr in eine
Spitze ausgezogen. Es sind zwei Tränenlöcher vorhanden, je eines
vor und innerhalb der Orbita, ebenso kleine Orbitaleinschnitte. Die
Ethmoidallücken sind verschieden groß. Bei einigen der von mir
untersuchten Schädel lagen sie nur an der Mitte der oberen Kante
des Lacrymale, bei anderen erstreckten sie sich bis zu dessen
vorderen Ende und noch darüber hinaus. Bisweilen berührt also
das Lacrymale das Nasale. Der innerorbitale Teil ist breit und
hinten stark blasig aufgetrieben.
Farn. XVIII. Taurotragidae.
Wenn auch vielleicht in der fossilen Form Palaeoreas Gaudry
aus den pliocaenen und miocaenen Ablagerungen des Mittelmeer
gebietes eine Zwischenform zwischen Strepsiceros H. Sm. und Oreas
Desmaret zu sehen ist, so steht letztere Gattung doch, wie schon
gesagt, den Bovidae in jeder Beziehung am nächsten und zwar der
Gattung Bibos Hodgson, also den indischen bezw. indoinsularen
Bovidae insbesondere. Die äußere Erscheinung hat nichts von der
Eleganz der Tragelaphidae, sondern ist in ihrer massigen Schwere
durchaus rinderähnlich. Dazu kommt der lange, mit einer Quaste
versehene rinderähnliche Schwanz und vor allem der sonst nur den
Bovidae eigene Besitz einer Halswamme, die bei den Bullen besonders
groß, der des Zebu (B. indicus L.) ähnlich ist. Sie hat dreieckige
Form. Auch besitzt die Gattung Oreas Desmaret wie die Bovidae
eine nackte Muffel, einen kleinen Höcker wie die Zebus, und in
beiden Geschlechtern ist sie wiederum abweichend von den Tragela
phidae, aber in Uebereinstimmung mit den Bovidae gehörnt.
Dagegen misten die Elenantilopen nicht, wie die Rinder es tun,
in Fladen, sondern, wie die Mehrzahl der Wiederkäuer, in Rosinen,
woraus auf eine andersartige Tätigheit und anatomische Beschaffenheit
der Verdauungsorgane zu schließen ist.
Doch gleichen die Elenantilopen wiederum durch ihr ruhiges
Wesen und ihre leichte Zähmbarkeit sehr den Bovidae und weichen
dadurch stark von den gewöhnlich als „Antilopen“ bezeichneten, in
ihrer Mehrzahl ängstlichen und schreckhaften Hohlhörnern ab.
In einem merkwürdigen Verhältnisse zu der Schwere des Körpers
steht der schlanke, schmale und feine Kopf. Er erinnert sehr, an
den Schädel des Zebu und wie dieser, in seiner schlanken Bauart
an den der Equidae. Abweichend von den Bovidae ist aber der
frontale Teil nicht gewölbt und stark ausgebildet, sondern
schmal und eingesunken.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.