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Das Tränenbein (Os lacrymale) ist ein auf der Grenzscbeide
des frontalen und facialen Teiles des Schädels liegender Knochen.
Er ist in verschiedenen Tierklassen und Stämmen sehr verschieden
groß, fehlt bisweilen völlig. Bei den Säugetieren (Mammalia) fehlt
das Lacrymale den Primates, Pinnipedia und Carnivora meist als ge
sonderter Knochen; vielmehr ist es meistens mit den angrenzenden
Knochen verwachsen. Bei den Nagern (Rodentia) ist das Lacrymale als
kleiner, aber besonderer Knochen vorhanden, nimmt zwar an der
Begrenzung der Orbita teil, springt aber nur sehr wenig in die
Gesichtsfläche vor. Innerhalb der Lacrymalfläche mündet der Aus
gang des Tränenkanals, vor, hinter oder auf dem Orbitalrande.
Das Tränenbein dehnt sich sowohl in den Augenhöhlenraum,
die Orbita, wie in die Gesichtsflächc hinein aus. Beide Teile sind,
je nach Beschaffenheit des Orbitalrandes, in verschiedenen Winkel
zueinander gestellt. Nach außen hin schließt es das Ethmoidal-
geriist ab, doch bleiben oft grosse Lücken frei.
Seine größte Ausdehnung und Entwickelung erreicht das
Lacrymale bei den Ungulata. Es zeigt sich hier als ein überaus
empfindlicher Knochen, der selbst den Eindrücken von Hautgebilden
nachgibt, wie die Entstehung der Tränengruben bei den Artiodactyla
zeigt. Seiner Ausbildung entsprechend ist es schon lange als für
die Systematik der Huftiere wichtig erkannt worden.
Kober 1 ) weist auf die Übereinstimmung der Entwicklungsstufen
des Lacrymale mit den für die Systematik wichtigen Schädel
verhältnissen der Wiederkäuer im allgemeinen, Rütimeyer * 2 ) für
die der Cervidae insbesondere hin. Wenn ich im Nachstehenden
die Wichtigkeit der Verhältnisse des Lacrymale für die Systematik
aller Ungulata nachzuweisen und auf Grund meiner vergleichend
anatomischen Betrachtungen ein neues System aufzustellen versucht
habe, so habe ich es doch nach Möglichkeit vermieden, auf
dieses einzelne Merkmal hin allein mein System aufzubauen. Das
würde leicbt zu Fehlschlüssen geführt haben, und es sind daher
anatomisch wichtige, morphologische und auch biologische Ver
hältnisse überall in Betracht gezogen worden.
Ordo 1. Hyracoidea.
Farn. Procaviidae.
Indem ich zur Betrachtung des Lacrymale im Einzelnen über
gehe, beginne ich mit der tiefeststehenden Ordnung der Huftiere,
den Hyracoidea mit der einzigen rezenten Familie der Procaviidae.
ln ihrem rvusseren wie auch bei oberflächlicher Betrachtung im
Gebisse erinnern sie sehr an die Nager. Sie sind auch früher mit
diesen vereinigt worden, weichen aber doch in Gebiss und Schädel-
') Kober: Vergl.-auatoin. Beiträge z. Gesch. des Tränenbeines.
2 ) Rütimeyer: „Beitr. z. Geschichte der Hirschfamilie“

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