Full text: Über das Tränenbein der Huftiere

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sind bei beiden Gattungen am flachsten unter allen Cervidae über 
haupt. Doch sind beide durch andere Merkmale, wie die Form 
des Geweihes, weit voneinander verschieden, sodaß sie nicht zu 
einer Gattung vereinigt werden können. Denn Mazama Raf. ge 
hört zu den Spießhirschen. Capreolus Fr. dagegen bildet ein 
Geweih bis zum Sechserstadium. 
Im einzelnen unterscheiden sich die Tränenbeine folgender 
maßen: Die Tränengrube greift bei Mazama Raf. sehr auf Jugale 
und Maxillare über. Der obere und der vordere Rand des Lacry- 
male sind bogig, dieses ist fast ebenso hoch wie lang, den oben 
geschilderten Schädelverhältnissen entsprechend. Die Ethmoidal- 
lücke ist halb so groß, wie das Lacrymale in seinem facialen Teile 
und schließt dessen halben vorderen und oberen Rand ein. Der 
innerorbitale Teil besitzt eine tiefere Einsenkung als der von Ca 
preolus Fr. und ist nach unten und hinten umgebogen. Das Prä- 
maxillare tritt an das Nasale heran. 
Während zu der Gattung Mazama Raf. die Arten M. simplici- 
cornis Illiger, M. rufa Illiger und M. superciliaris Gray zu zählen 
sind, ist M. rufina Pucheron oder, wie der erste Name lautet, M. tema 
Raf. wohl von der Untergattung Mazama Raf. abzutrennen und zu 
einer eigenen Untergattung zu machen. Abgesehen davon, daß 
diese Art in den Hochgebirgen, in Equador, lebt und durch ihre 
geringe Größe, ihre dunkel überflogene Färbung von Kopf und 
Gliedmaßen wie ihre schwarzrote Kehle sich unterscheidet, weicht 
sie auch im Schädel wesentlich ab. Der Schädel, der mir vorlag, 
zeigt eine gewölbtere Frontalpartie, überhaupt ein nicht so gestreck 
tes, gerades Profil. Das Prämaxillare tritt nicht an das Nasale 
heran, und die Tränengruben sind tiefer, läuglich-eiförmig, und zum 
Unterschiede von den erwähnten Arten der Untergattung Mazama 
Raf. nach vorn nur unwesentlich flacher. Doch muß ich, da ich 
nur einen Schädel sah, und da über M. tema Raf. überhaupt nur 
wenig Beobachtungen vorliegen, die Frage, ob diese Art zu einer 
eigenen Untergattung zu erheben ist, offenlassen. Sie bleibt daher 
zunächst bei der Untergattung Mazama Rafin. Einer, gegebenen Falles 
neu aufzustellenden Untergattung wäre dann auch M. sartorii Saussure 
zuzuzählen, der nach Lydekker eine Unterart von M. tema Raf. 
ist und diesen in Guatemala und Zentralamerika vertritt, ebenso wie 
die in Yukatan heimische Art M. pandora Merriam. 
Dagegen sind die Arten M. nemorivaga F. Cuv., M. tschudii 
Wagner und M. nana Lund mit der Subspecies M. nambi Fitzg. 
ebenso M. inornata Gray von der Untergattung Mazama Raf. abzu 
trennen. Matschie 1 ) vereinigt M. nemorivaga F. Cuv., M. tschudii 
Wagner und M. inornata Gray in die Untergattung Doryceros 
Fitzg. 1873. Doch ist M. nemorivaga F. Cuv. bereits 1841 von 
Gloger als eigene Gattung Passalites Gloger aufgestellt worden, 
dieser Name hat daher das Prioritätsrecht. Die zu dieser Unter 
*) Matschie: „Die Verbreitung der Hirsche“.
	        
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