Full text: Über das Tränenbein der Huftiere

14 
Orbita. Auf die Nachbarknochen, Maxillare lind Jugale, greift die 
Grube kaum über. Am steilsten ist sie am oberen vorderen Rande 
die Lücke entlang. Hier bildet das Lacrymale auch einen Knochen- 
wulst. Der innerorbitale Teil ist nicht sehr groß, hat an der oberen 
Kante einen tiefen Einschnitt und hier eine trichterförmige Einsenkung. 
Aus der Gattung Hydropotes Swinhoe eine eigene Unter 
familie, die der Hydropotinae, zu bilden, ist notwendig. Mit den 
Moschinae ist diese Gattung aus dem oben angeführten Grunde 
nicht zu vereinigen, von anderen Hirschen aber durch ihre Ge- 
weihlosigkeit stark verschieden. Sie findet daher ihre Stellung 
als eigene Unterfamilie an der Spitze der mit Tränengruben ver 
sehenen Hirsche, so den Moschinae nahe, denen sie auch in der 
Tat, als Typus einer altertümlichen, tiefstehenden Form nahesteht. 
Die Tiere der Gattung Hydropotes Swinhoe sind klein und Vertreter 
einer alten Form. 
Von den eigentlichen Gevveihhirschen, die nun folgen, werden 
zunächst wiederum die niedrigsten und ältesten Formen zu betrachten 
sein. Das sind die Muntiacinae. 
Subfam. 3. Muntiacinae. 
Diese Unterfamilie weist nur eine rezente Gattung, nämlich 
Muntiacus Rafin 1815 auf. Die Gattung Elaphodus A. Milne- 
Edwards 1871 dagegen, die von Trouessart 1 ) mit den Muntiacinae 
vereinigt wird, mußte als selbständige Unterfamilie der Elaphodinae 
aus Gründen, auf die ich weiter unten näher eingehen werde ab 
getrennt werden. 
Beide Unterfamilien sind wie Hydropotes Swinhoe und die 
Moschinae im Besitz von Hauzähnen im Oberkiefer, ein Umstand, 
der ebenfalls ihre systematische Stellung im Anschluß an jene und 
auch an die Tragulidae rechtfertigt. Dagegen sind beide im Schädelbau 
wesentlich verschieden. Der Schädel von Elaphodus A. M.-E. ist 
weit kürzer, im frontalen Teile mehr gewölbt. Für Muntiacus 
Rafin. sind die ungeheuer langen, über die Augenhöhlen nach vorn 
noch hinausgehenden Knochenzapfen des Geweihes, die sogenannten 
Rosenstöcke, charakteristisch. Sie geben dem Gesichte der Munt 
jaks, jene merkwürdig scharfe Einfassung, mit den tiefer dazwischen 
liegenden, flachen Frontalpartien. Bei Elaphodus A. M.-E. sind da 
gegen die Rosenstöcke weit weniger entwickelt und verlaufen nur 
bis zum hinteren Rande der Orbita. Abweichend von Muntiacus 
Rafin. tritt zwischen ihnen die Frontalpartie stark gewölbt weit her 
vor. Der faciale Teil erscheint nicht wie bei letzterem gleichsam 
eingerahmt. Im geistigen Wesen erscheint Elaphodus A. M.-E. 
weit regsamer als Muntiacus Rafin. Färbung und Gestalt sowie der 
Besitz eines den Rosenstock fast verbergenden Haarschopfes und 
weniger lange Hinterbeine unterscheiden Elaphodus A. M.-E. weiter 
von den Muntiacinae. * 
*) Trouessart: „Catalogus Mammalimä“.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.