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auch durch die Erkenntnis nicht beirrt, daß es sich bei seinen
Spekulationen nur um Hypothesen von mehr oder minder großer
Wahrscheinlichkeit handeln könne. „Man darf daher sagen, daß
er die induktive Methode, die er zu Grunde zu legen behauptet,
nur in ganz äußerlicher Weise angewandt hat. Er hat von ihr
nur den empirischen Ausgangspunkt und die Wahrscheinlichkeit in
der Gültigkeit ihrer Ergebnisse beibehalten. Dagegen fehlt eine
zielbewußte Anknüpfung an die Einzelwiffenschaften in einer Ver
allgemeinerung oder Steigerung der von ihnen dargebotenen und
entwickelten Lehren und Erkenntnisse."
E. König' gibt zwar zu, daß Kartmann in gleicher Weise wie
Wundt die abstrakte Begriffsdialektik verwerfe und kritischer
Philosoph sei. Aber tiefgehende Unterschiede seien doch vorhanden:
Kartmann stände der reinen Spekulation noch weit näher als
Wundt, indem die Erfahrung nicht sowohl der Ausgangspunkt
seines Philosophierens als eine Instanz sei, mit der er sich aus
einandersetze zur Rechtfertigung seiner anderweitig gewonnenen
metaphysischen Anschauungen.
Schließlich will ich noch erwähnen, daß auch Windelband* an
erkennt, daß Kartmann zur Begründung seines Systems „in der
geistreichsten Weise eine reiche Fülle naturwissenschaftlicher Kennt
nisse" benutzt, er hält es aber für eine Selbsttäuschung, wenn
Kartmann meint, seine spekulativen Resultate nach induktiv-natur
wissenschaftlicher Methode gewonnen zu haben.
Von der sehr schroffen Verurteilung Kartmanns ist man also
allmählich wenigstens zur Anerkennung seiner vielseitigen, einzelwiffen-
schastlichen Kenntnisse gelangt, wenn auch die Ablehnung seiner von
ihm beanspruchten Methode im großen und ganzen bestehen bleibt.
Anter den nicht sehr zahlreichen akademischen Anhängern hält
A. Drews die Richtigkeit der Kartmannschen Methode mit allein
Nachdruck aufrecht.
Die Deduktion liefert nach Drews 3 keine realen Erkenntnisse —
er schließt sich hierin Kartmann an —, auch die Philosophie müsse
* König, „W. Wundt, Seine Philosophie und Psychologie", S. 16/17,
Stuttgart 1901.
- Windelband, „Lehrbuch der Geschichte der Philosophie", Z. Auflage
(1903), S. 530.
* Drews, „Eduard von Lartmanns philosophisches System im Grundriß,"
2. Auflage, S. 93/94 (Leidelberg 1906).

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