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Aber von seinen Schätzen muß der Geist das Edelste für sich
behalten und nur das Einfachste und Ärmste darf er aus demselben
der Natur leihen, wenn er nicht in unberechtigte Anthropomor
phismen verfallen will. Demnach haben wir allen Grund an
zunehmen, daß diese Brosamen vom Tische des Geistes, aus denen
wir die Natur konstruieren, diese wirklich erschöpfen, d. h. daß die
Natur nicht wesentlich reicher ist, als wir sie heute schätzen; denn
es ist ein Axiom der modernen Naturwissenschaft, daß alle unsere
fünf Sinne übersteigenden Einwirkungen, welche ein anders
organisierter Geist von der Natur erfahren könnte, doch immer
nur von bewegten Atomen ausgehen könnten. Wir sind somit
weit entfernt zu verstehen, wie alle Naturerscheinungen durch
Mechanik der Atome zu erklären seien, daß aber alle nur hieraus
zu erklären seien, ist das sicherste Resultat, dessen die moderne
Naturwissenschaft sich rühmen sann." 1
Daß Äartmann die scheinbar induktiv erschlossene Welt der
Dinge an sich — das ist bei ihm Natur — nun auch erkennen
muß, zwingt ihn bekanntlich zu der Übertragung der Gesetzmäßig
keit und gewisser Kategorien des bewußten Geistes. Äier erfahren
wir. nun, welchen Nebenerfolg diese Übertragung hat. And wirklich
hat sie einen, wenn eben die Natur das ist, was Äartmann aus
ihr macht. Warum aber soll man, wenn es sich doch nur im
wesentlichen darum handelt, die Natur, die anscheinend blöde, inter
essant zu machen, mit den anthropomorphistischen Übertragungen
so sparsam sein? Je reicher sie ist, desto interessanter wäre sie doch?
Vielleicht ist sie doch reicher, als wir sie „heute" schätzen. Denn
das angeführte Axiom der „modernen" Naturwissenschaft, daß alle
unsere fünf Sinne übersteigende Wirkungen auf einen anders als
wir organisierten Geist doch nur von bewegten Atomen ausgehen
könnten, ist kein Axiom der Naturwissenschaft, sondern höchstens eine
Hypothese der Metaphysik der Naturwiffensckaften. Auch „das
sicherste Resultat der Modernen' Naturwissenschaft", daß alle
Naturerscheinungen sich durch Mechanik der Atome erklären lassen
müßten, ist doch nur ein Vorurteil. Es kann kein Resultat der
Naturwissenschaft sein, da wir den Organismen vom mechanischen
Gesichtspunkte aus noch völlig hilflos gegenüberstehen.
- PH. U. III., S. 24/25.

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