54
sie zur wissenschaftlichen Erkenntnis erhoben ist, und zwar nicht
durch Tötung des Geistes, sondern durch Lebendigmachung der
Materie. Nur eine Philosophie des Anbewußten könne die Ein
seitigkeiten des Materialismus und des Idealismus überwinden,
indem sie in dem subjektiv bewußten Geiste sowohl wie in der
Materie nur Erscheinungen eines und desselben Prinzips aus
subjektivem resp. objektivem Gebiete erkenne, eines Prinzips, das
höher sei als beide.
Von naturwissenschaftlicher Induktion ist offenbar in diesem
spekulativen Resultate nichts zu entdecken.
An dieses erste Beispiel schließt sich recht gut als Fortsetzung ein
zweites, dem 3. Bande der Philosophie des Anbewußten entnommenes.
Indem die Naturwissenschaft sich indirekt eine Natur erschließe
— das ist ja eine Konsequenz des Äartmannschen erkenntnis-
theoretischen Standpunktes —, gelange sie, meint Äartmann,' dabei
zu einem „großen Mückenschwarm, hier dichter, dort dünner, hier
schneller, dort träger durcheinander schwirrend, in dem die Mücken
ausdehnungslose Punkte oder Atome sind." „Was kann es Trockeneres,
Einförmigeres, an und für sich Gleichgültigeres geben als diesen
gespenstischen Schwarm tanzender mathematischer Punkte? Muß
uns nicht vor dem Totentanz verwunschener Monaden grauen?
Was kann unschöner sein als solch eine Natur aus Kraftwirkungen
imaginärer Naumpunkte?" Anerträglich ist für Äartmann diese
Einöde. „Erst die Äbertragung der Begriffe der Empfindung und
der Kraft erhebt die tanzenden Atome zu wirkenden, d. h. wirklichen
Individuen, und streichen wir die anthropomorphistische Äbertragung
von Kraft und Empfindung, so behalten wir nur ein gespenstisch
abstraktes Naumschema mit bewegten kraftlosen Punkten, das
unfähig ist, irgendwelche reale Einwirkungen auf den Geist zu
üben und deshalb nicht nur aufhört, irgend etwas zu erklären,
sondern auch aufhört, durch berechtigte Rückschlüsse aus seinen
Wirkungen auf unseren Geist erschließbar zu sein . . . Nur
wenn wir die Denk- und Anschauungsformen auf die an sich
seiende reale Natur übertragen, gibt es überhaupt eine Natur,
sonst wäre die angebliche Wissenschaft der Natur mit Alchemie,
Astrologie und Theosophie in die Rumpelkammer der vorkritischen
Illusionen zu werfen.
' PH. !l. III., S. 23 ff.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.