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aussagen. In der Bestimmung des Wesens der Dinge, des
Relatums, der Substanz, gehen viele Methaphysiker von dem Ich
aus und suchen das Prinzipienhafte in demselben herauszuschälen.
Die Entscheidung pflegt nach der Seite des Intellektes oder des
Willens zu fallen, aber so, daß beide das bleiben, als was sie
wirklich vorgefunden werden. In den Grundzügen wenigstens.
Lartmann dagegen geht über alles, was das erfahrungsmäßige
„Psychische" ausmacht, hinaus, indem er die Antithese zu allem
erfahrungsmäßig Psychischen zum Prinzip erhebt. In den Tiefen
seines Gemütes hat sich Weltschöpfung und Entwickelung längst
planmäßig aus diesem „höchsten Wesen" herausgesponnen, die
Erscheinungen, die Gegenstände der Wissenschaft, haben schon längst
als aus diesem Prinzip hervorgeflossen sich erwiesen, bevor der
umgekehrte Weg, der Versuch einer wissenschaftlichen Ableitung
der Prinzipien, gegangen wurde. Nur so will es gelingen, Lart-
manns letzte und höchste Gedanken in ihrer Genesis zu verstehen.
Daß übrigens meine Auffassung das Richtige trifft, dafür ist
Lartmann selbst Zeuge, wenn er sagt, „der Gang der Philosophie
sei die Amwandlung mystisch-genialer Konzeptionen in rationelle
Erkenntnisse"? Das Rätselhafte ist nur, daß diese „Amwandlung"
sich ganz und gar nach empirischen Methoden vollziehen soll.
Die „Philosophie des Anbewußten" will die ersten spekulativen
Resultate Lartmanns nach induktiv-naturwissenschaftlicher Methode
liefern. Es wäre gewiß erwünscht, daß der Gedankengang dieses
Werkes an dieser Stelle gegeben würde, wenn dies möglich wäre,
ohne eine Kritik, die sich auf eine Anzahl von Einzelheiten zu
erstrecken hätte, aus denen Lartmann folgert, daß das Prinzip
des Anbewußten sich überall zur Erklärung und tieferen Deutung
der mannigfaltigsten und sonst unerklärbaren Vorgänge in den
Individuen bis zu den Atomen hinunter bewährt. Statt aber dies
mehr weitläufige als schwierige Anternehmen durchzuführen, werde
ich in den folgenden Kapiteln an Beispielen zeigen, wie Lartmann
spekulative Resultate gewinnt und die Ergebnisse der einzelnen
Wissenschaften, im besonderen der Physik, zu seinen philosophischen
Zwecken verwertet. In diesem Kapitel kam es nur darauf an,
festzustellen, daß Lartmann ebensowenig wie sonst irgend jemand
den Weg zu den Prinzipien nach induktiv-naturwissenschaftlicher
- PH. il. II, S. 165.

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