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einem bloß relationshaften Sein der Dinge an sich das Relatum,
das substantielle Wesen derselben, bestimmen, so hätte er im Sinne
einer Arsacheninduktion nun wiederum die Welt der Dinge an sich
als Wirkung aufzufassen (wie er es ja auch tatsächlich tut), um
dann durch ein aus früheren Induktionen oder Deduktionen ge
wonnenes Gesetz auf die Arsache Rückschlüsse zu machen. Bei
seiner ersten Transzendenz hielt Lartmann sich, was die ver
knüpfende Gesetzmäßigkeit anging, einfach an die Bewußtseins
gesetzmäßigkeit. Äier aber, bei der letzten Spitze seines Systems,
muH alles Denken zur Ruhe kommen, die Transzendenzen dürfen
nicht beliebig weiter laufen, und sie täten es, wenn Lartmann bei
dieser zweiten, metaphysischen Transzendenz, wiederum die Gesetz
lichkeit aus der Bewußtseinssphäre schöpfte. Daher muß sich
irgend etwas finden lassen, was von der Bewußtseinsgesetzmäßigkeit
grundsätzlich verschieden ist.
Die Physik idealisiert, wenn sie Arsachenhypothesen aufstellt,
aber sie bleibt mit diesen idealen Gesetzmäßigkeiten innerhalb der
Grenzen der Bewußtseinswirklichkeit insofern, als sie imstande ist,
diese Gesetze mathematisch genau zu fixieren.
Wie aber soll der Philosoph des Anbewußten es machen? An
den Grundgesetzen unseres Erkennens ist nichts zu idealisieren, sie
sind wie sie einmal sind, sie drücken eben die eine Seite des Wesens
des Bewußten aus; auch die Willensseite ist empirisch von dem
Bewußtsein nicht zu trennen. Es bleibt also nichts übrig, als
auf etwas zu fußen, was das Bewußtsein absolut transzendiert;
ein solches ist das Anbewußte, das ja vorläufig nichts weiter sagen
will als „alles andere, nur nicht bewußt".
Anbewußtes Denken, unbewußtes Wollen! Es wird zwar nicht
jedem möglich sein, sich bei diesen Begriffen etwas zu denken, und
auch ich gestehe ein, daß mir das Anbewußte völlig rätselhaft
geblieben ist, was natürlich noch nichts gegen die etwaige An
wendbarkeit dieses Begriffes sagen soll. So viel aber darf man
wohl behaupten, daß Lartmann diese zweite Transzendenz nicht
nach induktiver Methode vollzogen haben kann. Es ist wohl mit
Recht zu vermuten, daß gerade hier die spekulativen Prinzipien
stecken, die jeder Erfahrung schon zu Grunde gelegt werden. Denn
aus früheren Induktionen oder formalen Deduktionen kann er un
möglich auf das Anbewußte kommen, noch etwas über dasselbe

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