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Auf diesen allerwesentlichsten Teil seiner und jeder anderen
Philosophie, auf das Grundproblem der Erkenntnistheorie, hat
daher Äartmann die induktive Methode nicht angewandt, wie sie
die Wissenschaft kennt, ja, er hat nicht einmal die Methode wirklich
angewandt, die er in seiner „Arsacheninduktion" definiert. Es
bestätigt sich bei Lartmann, was auch sonst einigermaßen feststeht,
daß nämlich die Methode der Erfahrungswiffenschaften den
transzendenten Problemen gegenüber machtlos sind.
Die Grundlegung der Metaphysik fällt für Lartmann mit der
Erkenntnistheorie zusammen. In seinem System kommt dies dadurch
zum Ausdruck, daß die objektiv-reale und die metaphysische Sphäre
beide erkenntnistheoretisch transzendent sind; der Zugang zu der
ersteren also zugleich den Zugang zur letzteren eröffnet. Aber mit
der Setzung der Dinge an sich ist das Substanzproblem, das
eigentliche Grundproblem der Metaphysik, noch nicht erledigt.
Dies Problem bildet den Lauptgegenstand der „Philosophie des
Anbewußten", während erkenntnistheoretische Antersuchungen in
diesem Werke kaum vorhanden sind. Die beiden zitierten erkenntnis
theoretischen Schriften sollen diese Lücken ausfüllen. Wie Äart-
mann in ihnen die Brücke vom Immanenten zum Transzendenten
schlägt, haben wir gesehen. And das ist für diese Antersuchung
das wesentlichste. Ich will nur noch in großen Zügen angeben,
wie er sie überschreitet und die erste Amschau im Lande der Dinge
an sich hält.
„Nur was wir in Analogie mit uns selber zu verstehen ver
mögen, nur das können wir überhaupt an der Welt verstehen," 1
meint Lartmann. „Am so begreiflicher ist es, daß er in der Welt
der Dinge an sich so ungefähr den ganzen Kategorienapparak der
subjektiv-idealen Sphäre wiederfindet, um die Erfahrung möglich
zu machen."
Man mag Äartmann beistimmen, wenn er einen induktiven
Beweis für den transzendentalen Realismus darin sieht, oaß seine
Hypothesen sich durch ihren Erklärungswert für die theoretische
Orientierung und das praktische Verhalten in der Welt bewähren?
Man mag ihm vielleicht auch noch einräumen, daß er die
kategorielle Bestimmung der objektiv-realen Sphäre — wenigstens
1 PH. !1., II, 413.
- G. P. 113.

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