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Er fügt hinzu, daß die Beantwortung dieser Frage zugleich
entscheidend sei für die Möglichkeit und Unmöglichkeit einer
Metaphysik, ja für die Möglichkeit aller andern Wissenschaft.
Daß die Beantwortung dieser Frage, wenn man sie so
stellt wie Äartmann, zugleich entscheidend sei für die Möglichkeit
einer Metaphysik, ist zuzugeben. LartmannS kritische Grundlegung
seiner Erkenntnistheorie ist daher zugleich die kritische Grundlegung
seiner Metaphysik. Ob sie auch zugleich entscheidend sei für alle
andere Wissenschaft, das ist wohl zu bezweifeln. Äartmann
braucht zur Wissenschaft die Dinge an sich, andere Philosophen
wieder nicht.
Als mögliche Ausgangspunkte zählt Lartmann den naiven
Realismus, den Idealismus und den transzendentalen Realismus
auf? Die philosophische Untersuchung habe, wenn sie induktiv
sein wolle, nur die subjektive Erscheinungswelt ohne jede
transzendentale Beziehung und Bedeutung als Ausgangspunkt
anzusehen?
Der Kampf spielt sich ab zwischen dem transzendentalen Idealismus,
der die transzendentale Bedeutung, Gültigkeit und Verwendbarkeit
der Denk-- und Anschauungsformen und damit des ganzen Bewußt
seinsinhaltes leugnet, und dem transzendentalen Realismus, der
alles dies ebenso stark bejaht.
Daß der Standpunkt des kritischen Realismus denn doch ein
ebenfalls möglicher und beachtenswerter sei, hat Äartmann mit
keinem Worte erwähnt. Das Problem spitzt sich für ihn einfach
dahin zu, wie die Wahrnehmung mittelbar eine mehr als subjektive
Realität erhalte und dadurch die Würde der Erscheinung bewahren
könne, statt zum bloßen Schein herabzusinken? Über das Sinnvolle
oder die Sinnlosigkeit dieses Problems sind keine Betrachtungen
vorhanden.
Ich sehe darin einen Mangel an Vollständigkeit der Untersuchung.
Ja, der transzendentale Realismus kann eigentlich gar kein Ausgangs
punkt für die Grundfrage sein, da als solche nur die Bewußtseins
wirklichkeit genommen werden darf, von deren Deutung dann das
' K. G., S. 6.
8 K. ©., S. 5. Man vergleiche mit diesem Anspruch, dessen Befolgung
ich von Lartmann selbst verlangte, die Methodik seiner Kategorienlehre.
3 K. G., S. 54, ck. Drews, Grundriß, S. 106.

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