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transzendentale Realist, der das Erbe des transzendentalen Idealisten
antritt, will aber das Ding an sich als notwendiges Korrelat zu
der subjektiv-idealen Sphäre bestehen lassen und sieht seine besondere
Aufgabe darin, die Brücke von dem Subjekt zum Objekt zu schlagen.
Für den kritischen Realisten ist dies erkenntnistheoretische Problem
nicht in diesem Sinne vorhanden. Für ihn sind beide gleich gewiß
gegeben und gleich unmittelbar, und die Trennung des Erlebnisses
in Subjett und Objekt ist ihm erst durch die Abstraktion vollzogen,
und sie vollzieht sich in der Weise, daß das Objektive des Erlebnisses
niemals restlos in das Subjekt zurückgenommen wird, so daß für
den kritischen Realisten das Grundproblem des Idealisten nicht
vorhanden ist.
.Hartmann hat der Grundlegung seiner Erkenntnistheorie zwei
besondere Schriften gewidmet, die „Kritische Grundlegung des
transzendentalen Realismus" und „Das Grundproblem der
Erkenntnistheorie"? Die erstere führt den Untertitel „Eine Fort
bildung und Sichtung der erkenntnistheoretischen Prinzipien Kants"
und das zweite: „Eine phänomenologische Durchwanderung der
möglichen erkenntnistheoretischen Standpunkte." In seiner Kate
gorienlehre wird das Grundproblem in dem Kapitel über die
Kausalität ^ wesentlich im Sinne der „Kritischen Grundlegung"
von neuem behandelt.
Wenn Lartmann seinen erkenntnistheoretischen Ausgangspunkt
als den allein möglichen nachweisen will, so darf man verlangen,
daß er auch wirklich die Anhaltbarkeit aller andern Ausgangspunkte
aufdeckt. Lat er diese Vorbedingung erfüllt, dann muß es sich
noch zeigen, ob er den Schritt von der „subjektiv-idealen Sphäre"
zur „objektiv-realen Sphäre" nach der von ihm behaupteten Methode
gegangen sei.
In der „Kritischen Grundlegung"-! bezeichnet er es als die
Grundfrage der Erkenntnistheorie, zu untersuchen, „ob und wie
das bewußte menschliche Denken imstande sei, das Sein zu erreichen,
oder ob es für immer darauf beschränkt sei, bei seinen Gedanken,
d. h. seinem subjektiv-idealen Bewußtseinsinhalte stehen zu bleiben."
' Ausgewählte Werke, 2. wohlfeile Ausgabe, Bd. I, l. und 2. Abt.,
Leipzig 1895.
* K., 363-430.
3 K. ©., Einl. 1.

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