Full text: Die induktive Methode bei Eduard v. Hartmann

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eine Erweiterung des zugänglichen Erscheinungskomplexes gelangt. 
Diese Hypothesen sind schließlich ganz unentbehrliche Hilfsmittel 
der physikalischen Forschung. 
Kartmann schließt in seiner Arsacheninduktion von einer Wirkung 
(einem zugänglichen Erscheinungskomplex) auf eine Ursache mit 
Kilfe einer aus früheren Induktionen oder formalen Deduktionen 
geschöpften kausalen Gesetzmäßigkeit. 
In der Wissenschaft ist es anders. In der Physik z. B. würde 
die „aus früheren Induktionen oder formalen Deduktionen ge 
schöpften Gesetzmäßigkeiten" nichts anderes sein als jene idealen 
mechanischen Gesetze, die der Physiker, wo er Hypothesen bildet, 
immer wieder verwendet. Wo bleibt aber die Arsache, auf die 
geschlossen werden soll? Kier trennen sich die Wege Kartmanns 
und die der physikalischen Wissenschaften. In der Physik biegt 
das Verfahren bei dieser ideellen Gesetzmäßigkeit wieder um in die 
physikalische Erscheinungswelt hinein, die Verifikation und Aus 
beutung erfolgt. Die selbstgeschaffene kausale Gesetzmäßigkeit ist 
die Arsache selbst, der primäre Komplex. Kartmann aber will über 
diese kausale Gesetzmäßigkeit hinaus in das Wesen des in dieser 
in Relation Stehenden eindringen: sein Ziel ist ein metaphysisches. 
Die Kypothesenbildung der Physik ist eine bewußtseins-immanente 
spekulative Tätigkeit, die es auf unsere Wirklichkeit abgesehen hat. 
Kartmanns Kypothesenbildung will eine Induktion sein, die auf 
eine transzendente Wirklichkeit leitet. Kartmanns Hypothesen sind 
nicht imstande, das ihr zu Grunde liegende Erfahrungsmaterial zu 
erweitern und zu vertiefen. Sie wollen nur erklären. Deswegen 
stehen sie aus der Stufe der Gravitationshypothesen und können 
auf Zulässigkeit keinen Anspruch machen. Die Bezeichnung „in 
duktiv-naturwissenschaftlich" aber für sie ist völlig verfehlt und 
irreführend? 
Eine Bemerkung sei diesem Kapitel noch beigefügt. Die Physiker 
sangen in den letzten Jahren an, das chemische Atom und seinen 
Funklionskomplex zu verlassen und einen Äbergang auf einen 
primäreren Komplex zu vollziehen, und zwar von einem Umfang 
und einer Bedeutung, wie sie in der Physik zuvor nicht erlebt 
1 Vgl. zu den Ausführungen dieses Kapitels: Wundt, Logik II, „Die 
Logik der Naturwissenschaften", Siegwart, Logik II, S. 356—534, Riehl, 
„Der philosophische Kritizismus II-".
	        
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