Full text: Die induktive Methode bei Eduard v. Hartmann

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sanken zu Begleiterscheinungen herab und das Coulombsche Gesetz 
zu einem sehr speziellen Falle, der sich auf die Wirkung elektrischer 
Mengen aufeinander erstreckt und auch dann noch bestimmte Vor 
aussetzungen verlangt. Hätte jemand vor Faradays Entdeckung 
den Wahrscheinlichkeitskoeffizienten für das Coulombsche Gesetz 1 
berechnet, die Möglichkeit zugunsten Hartmanns vorausgesetzt, so 
würde er einen Bruch gefunden haben, der sich fast mit der Eins 
deckt. Das Coulombsche Gesetz ist aber in seiner allgemeinen 
Fassung falsch, also absolut unwahrscheinlich. 
Aber die ewige Gültigkeit eines Gesetzes erwartet ja auch kein 
Physiker. Alle Gesetze, die er aufstellt, sind, wenn man in Hart- 
mannscher Weise nach dem Grade ihrer Wahrscheinlichkeit fragt, 
einfach ungültig. Sie sind nur Annäherungen an das wirkliche 
Geschehen, das wir mit den immer feiner werdenden Maschen 
unserer Apparate sichten, die wir ihrerseits wieder nach der von 
dem Gesetz geforderten Feinheit zu konstruieren suchen. 
Wenn jedoch nun jemand nach der Arsache der ponderomotorischen 
Wirkungen der elektrischen Ladungen fragt, so hat es jetzt einen 
Sinn, die Arsache anzugeben: wir haben ja den primären Er- 
scheinungskomplex und das primäre Gesetz, nicht in der Phantasie, 
sondern in der Wirklichkeit, und diese repräsentiert die Arsache 
jener Erscheinungen. Natürlich ist dies von seiten Faradays eine 
echte Gesetzesinduktion gewesen; zu dieser gehört nicht nur die 
Aufstellung der Funktion, sondern vor allem das Aufsuchen des 
Funktionskomplexes, der sich immer nur dann ergibt, wenn irgendwo 
Wirkungen nachgewiesen werden, die bis dahin unbekannt waren. 
Es ist also wohl ersichtlich, weshalb ich die Gravitationshypothesen 
ablehne. 
Aber bildet nicht die Physik trotzdem wirkliche Arsachen-Hypo- 
thesen? And wenn sie es tut, warum sollten dann keine Gravi 
tationshypothesen zulässig sein? Es ist wieder erst ein Amweg 
zu machen, bevor diese Frage endgültig beantwortet werden kann. 
Erkenntniskritische Erwägungen pflegen für den Physiker selten 
eine Hauptsache zu sein. Er folgt im großen und ganzen dem 
naturwüchsigen Realismus und wundert sich höchlich, wenn jemand 
an der Realität seiner Atome und seines Äthers zu zweifeln wagt. 
1 Das Gesetz ist zwar eine Gesetzesinduktion, Kartmann verlangt aber, 
daß die Physik auch für sie Wahrscheinlichkeitskoeffizienten angibt.
	        
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