28
sanken zu Begleiterscheinungen herab und das Coulombsche Gesetz
zu einem sehr speziellen Falle, der sich auf die Wirkung elektrischer
Mengen aufeinander erstreckt und auch dann noch bestimmte Vor
aussetzungen verlangt. Hätte jemand vor Faradays Entdeckung
den Wahrscheinlichkeitskoeffizienten für das Coulombsche Gesetz 1
berechnet, die Möglichkeit zugunsten Hartmanns vorausgesetzt, so
würde er einen Bruch gefunden haben, der sich fast mit der Eins
deckt. Das Coulombsche Gesetz ist aber in seiner allgemeinen
Fassung falsch, also absolut unwahrscheinlich.
Aber die ewige Gültigkeit eines Gesetzes erwartet ja auch kein
Physiker. Alle Gesetze, die er aufstellt, sind, wenn man in Hart-
mannscher Weise nach dem Grade ihrer Wahrscheinlichkeit fragt,
einfach ungültig. Sie sind nur Annäherungen an das wirkliche
Geschehen, das wir mit den immer feiner werdenden Maschen
unserer Apparate sichten, die wir ihrerseits wieder nach der von
dem Gesetz geforderten Feinheit zu konstruieren suchen.
Wenn jedoch nun jemand nach der Arsache der ponderomotorischen
Wirkungen der elektrischen Ladungen fragt, so hat es jetzt einen
Sinn, die Arsache anzugeben: wir haben ja den primären Er-
scheinungskomplex und das primäre Gesetz, nicht in der Phantasie,
sondern in der Wirklichkeit, und diese repräsentiert die Arsache
jener Erscheinungen. Natürlich ist dies von seiten Faradays eine
echte Gesetzesinduktion gewesen; zu dieser gehört nicht nur die
Aufstellung der Funktion, sondern vor allem das Aufsuchen des
Funktionskomplexes, der sich immer nur dann ergibt, wenn irgendwo
Wirkungen nachgewiesen werden, die bis dahin unbekannt waren.
Es ist also wohl ersichtlich, weshalb ich die Gravitationshypothesen
ablehne.
Aber bildet nicht die Physik trotzdem wirkliche Arsachen-Hypo-
thesen? And wenn sie es tut, warum sollten dann keine Gravi
tationshypothesen zulässig sein? Es ist wieder erst ein Amweg
zu machen, bevor diese Frage endgültig beantwortet werden kann.
Erkenntniskritische Erwägungen pflegen für den Physiker selten
eine Hauptsache zu sein. Er folgt im großen und ganzen dem
naturwüchsigen Realismus und wundert sich höchlich, wenn jemand
an der Realität seiner Atome und seines Äthers zu zweifeln wagt.
1 Das Gesetz ist zwar eine Gesetzesinduktion, Kartmann verlangt aber,
daß die Physik auch für sie Wahrscheinlichkeitskoeffizienten angibt.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.