Full text: Die induktive Methode bei Eduard v. Hartmann

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Kraft die Masse (Äerz) oder die Energie (mechanische und sub- 
stantielle Energetik) einführten, nach unserer Ansicht erst nach er 
schöpfender Verwertung der Kraft möglich waren, wie sie denn ja 
auch erst nachträglich entstanden sind, so liegt es doch auf der Land, 
daß der Begriff der Fernkrast vorerst wenigstens etwas Befrem 
dendes an sich haben muß. Daß Massen auseinander in beliebiger 
Entfernung, von der Zeit unabhängig, Kräfte ausüben sollen, das 
war und ist rätselhaft. Darum sollten denn auch unzählige Gra 
vitationshypothesen bis auf den heutigen Tag diesen Erscheinungs 
komplex menschlich begreiflicher machen. Das Gravitationsgesetz 
ist unbekümmert um irgendwelche Arsachenhypothesen höchst vor 
teilhaft für die Wissenschaft gewesen. Alle Erscheinungen der 
Astronomie, die noch im Bereich der Genauigkeit unserer Meß 
apparate liegen, haben sich diesem Gesetz unterordnen lassen. And 
doch hat sich der Mensch damit nicht zufrieden gegeben. Das 
muß seinen Grund haben. Der Mensch darf sich im Interesse 
der Forschung auch nicht mit Erkenntnissen von gewisser All 
gemeinheit zufrieden geben, sondern muß das noch Allgemeinere 
suchen. Trotzdem aber sind nach meiner Ansicht die Gravitations 
hypothesen abzulehnen. Nicht etwa, weil ihre Schöpfer keine 
Wahrscheinlichkeitskoeffizienten aufgestellt haben — diese würden 
die Hypothesen in nichts wertvoller machen —, sondern weil diesen 
Hypothesen der rechte Boden fehlt. 
Ein zweites Beispiel, das ich hier einfüge, soll die Sache an 
schaulicher machen. 
Bis um die Mitte der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts 
waren in der Elektrizität eigentlich nur die ponderomotorischen 
Wirkungen bekannt. Das Coulombsche Gesetz beschrieb alle auf 
diesem Gebiet nur möglichen Funktionskomplexe mit einer für da 
malige Messungen hinreichenden Genauigkeit. Es stimmte in der 
Form genau mit dem Newtonschen Gravitationsgesetz überein. 
Auch hier arbeitete man mit Fernkräften, es war hier also auch 
dasselbe Rätsel vorhanden wie bei der Gravitation. Man hätte 
auch sicher noch ähnliche Hypothesen wie die über die Gravitation 
erlebt, hätte nicht der geniale Faraday zu früh die Wirkungen 
des Dielektrikums gezeigt. Der primäre Erscheinungskomplex war 
damit unzweifelhaft bloßgelegt, und das primäre Gesetz, die Max- 
wellschen Gleichungen, folgten. Die ponderomotorischen Wirkungen
	        
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