Full text: Die induktive Methode bei Eduard v. Hartmann

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Ist aber unserer Wirklichkeit in unseren Wahrnehmungen, Er 
lebnissen das Subjekt nicht sicherer gegeben als das Objekt, so 
fällt die ganze objektiv-reale Sphäre mit ihrem hypothetischen 
Charakter vorläufig hinweg, die subjektiv-ideale Sphäre und die 
objektiv-reale Sphäre machen ursprünglich ungetrennt und in gleicher 
Gewißheit unsere unmittelbare Wirklichkeit aus, auf die sich auch 
nur unsere Erfahrung und unsere Wissenschaft erstrecken kann, 
und gerade so wenig hypothetisch wie diese unsere unmittelbare 
Wirklichkeit sind die sie beherrschenden Grundgesetze des Erkennens 
und die fundamentalen wissenschaftlichen Methoden. Das hypo 
thetische beginnt für uns erst da, wo die Wissenschaft die Zer 
legung dieser unmittelbaren Wirklichkeit in einen subjektiven und 
einen objektiven Faktor vornimmt und für das so sich ergebende 
Gebiet der physischen Welt begrifflich-hypothetische Gesetze kon 
struiert, durch die sie sie beherrschen will. 
hartmann braucht in seinem Motto den Ausdruck „induktiv- 
naturwiffeuschaftlich". Weder in seiner Philosophie des An 
bewußten noch in seiner Kategorienlehre noch sonstwo gibt er uns 
an, inwiefern der Begriff „naturwissenschaftlich" den Begriff 
„induktiv" näher bestimmen soll. Da aber der Begriff des Ge 
setzes in seinen Ausführungen über Induktion und Deduktion nur 
im physikalischen Sinne gilt, auch nur physikalische Bilder zur 
Verdeutlichung gebraucht werden, so sind wir berechtigt anzunehmen, 
daß er mit dem Ausdruck „induktiv-naturwissenschaftlich" eben nur 
die beiden von ihm geschilderten Arten der Induktion, die Gesetzes 
und die Arsacheninduktion, meint. Sein Motto würde daher 
besagen, er habe spekulative Resultate auf dem Wege der Gesehes- 
und Arsacheninduttion gewonnen. 
Es ist nun ein Begriff zu besprechen, der, wie er für Hartmanns 
System überhaupt bezeichnend ist, so auch als notwendiger Bestand 
teil seiner Induktion sich anfügt: die Wahrscheinlichkeit. 
Schon oben ist erwähnt, daß und warum die beiden Arten der 
Induktion bei hartmann nur zu Wahrscheinlichkeiten führen können. 
Daß den realen, durch Induktion und Deduktion gewonnenen Er 
kenntnissen nur Wahrscheinlichkeit zukommt, ist nach hartmann eine 
Folge davon, daß uns ja unmittelbar nur die subjektiv-ideale Sphäre, 
die Bewußtseinswelt rein subjettiven Charatters, gegeben ist, aus 
der wir, wenn wir einen Solipsismus und absoluten Illusionismus
	        
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