Full text: Die induktive Methode bei Eduard v. Hartmann

10 
Hinsicht an die Induktion der modernen Natur- und Geisteswissen- 
schäften 1 so eng angeschlossen, als der Inhalt der philosophischen 
Wissenschaften dies gestatte. 1 2 3 
Hiernach wäre man geneigt anzunehmen, daß Hartmanns An 
spruch nur dahin ginge, „induktiv-naturwissenschaftlich" vorgegangen 
zu sein, soweit dies eben möglich ist, von da ab aber wesentlich 
konstruktiv-spekulativ, wie es die Metaphysik mit sich bringt, so daß 
seinen spekulativen Resulten deswegen ein gewisser wissenschaft 
licher Wert beizumessen wäre, weil die Grundlage seines Systems 
eine empirische, nicht durch intellektuelle Anschauung im voraus 
festgelegte sei. 
Es heißt aber ferner, daß sein System von empirischer Basis 
aus mit der induktiven Methode der modernen Natur- und Ge 
schichtswissenschaften aufgebaut und errichtet sei,' womit unzwei 
deutig gesagt ist, daß er tatsächlich auf induktivem Wege zu seinen 
spekulativen Ergebnissen gelangt sein und Ergebnisse von derselben 
Allgemeinheit erzielt haben will wie die rein spekulative Philosophie. 
Vergleichen wir hiermit, was er in einem einleitenden Kapitel 
über die Methode seiner Untersuchungen sagt! 4 
Nachdem er die „Deduktion aus letzten Prinzipien", „durch den 
Luftsprung von mystischer Natur" gewonnen, deswegen abgelehnt 
hat, weil sie glücklichsten Falles die Möglichkeit dieser Prinzipien, 
niemals aber ihre Notwendigkeit oder ihre durch einen bestimmten 
Wahrscheinlichkeitskoeffizienten charakterisierte Wahrscheinlichkeit be 
weisen könne; nachdem er außerdem zu der Einsicht gelangt ist, 
daß der Teil der Philosophie, der das induktive Verfahren ein 
geschlagen habe, „von letzten Prinzipien und einem einheitlichen 
System der Wissenschaft himmelweit entfernt" sei, gilt es für 
Hartmann, diese Kluft zwischen Induktion und Spekulation zu 
überbrücken. „Man kann hieraus schließen, daß das Ganze sich 
nicht von einer Seite her begreifen läßt, sondern daß man die 
Sache zugleich von beiden Seiten her anfassen muß und sich hüben 
1 Die Induktion der modernen Natur- und Geisteswissenschaften dürste 
aber wohl kaum durch den Ausdruck „induktiv-naturwissenschaftlich" zusammen 
zufassen sein; ck. Ritter, „Die Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffs 
bildung." 
! Vorwort zur 10. Aust., S. VII. 
3 Daselbst, S. XIII. 
' 11. Aust. S. 5-12.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.