Full text: Ein Beitrag zur Frage der nosologischen Stellung der Hypochondrie

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geworden. Die Füße seien immer kalt. Das Blut sei in 
Ordnung, aber zu schwach. Er erschrecke beim leisesten 
Geräusch. Wenn er Urin lassen müsse, habe er Schmerzen 
im Glied. Vom Geschlechtsverkehr müsse er sich schon seit 
Jahren fernhalten. Essen könne er nichts, Brod müsse er 
sich hinunterquälen, vom Milchtrinken bekomme er nur noch 
mehr Schleim in Hals und Magen. 
Über seine Krankheit habe er viel nachgedacht, denn 
er wisse, sie könne nie wieder besser werden. Darum habe 
er sich auch zu erhängen versucht. Er wolle nie wieder 
Hand an sich legen, denn er müsse ja doch bald sterben. 
Als er im vorigen Jahre vom Armenarzt nach Eckern 
förde ins Armenhaus geschickt war, habe er nicht arbeiten 
können und sei deshalb drei Mal vom Ökonom geprügelt 
und von dessen Frau ins Gesicht gespuckt worden. Er habe 
dort täglich zwei Löffel Rizinusöl einnehmen.müssen. Schließ 
lich sei in seinen Entleerungen nur noch Rizinusöl gewesen. 
Feinde habe er keine. Die Leute in seinem Hause seien 
ihm freundlich gesinnt. 
Patient unterbricht seine Aussagen fortwährend durch 
Jammern, Seufzen und Stöhnen: »Wie man das nur so 
lange aushalten kann, es ist schrecklich! Mir ist so schlecht 
zu Mut, drei Jahre jetzt, es ist schrecklich, schrecklich.« 
Die Krankheit verlief weiterhin folgendermaßen: 
18. 6. 1905. Patient hat nachts ziemlich gut geschlafen. 
Er ißt gut, behauptet aber, gar keinen Appetit zu haben und 
nichts essen zu können. Er habe keinen Stuhlgang, es sei 
überhaupt viel schlechter mit ihm geworden. 
20. 6. 1905. Die Klagen haben zugenommen. Patient 
redet viel, er müsse bald sterben. Alles Essen gehe mit 
dem Urin ab, Stuhlgang habe er garnicht mehr, die Därme 
seien ganz leer. Der üble Geschmack im Mund sei uner 
träglich. Bei diesen Klagen macht er fortwährend schmatzende 
Schluckbewegungen. 
Tatsächlich ist der Stuhlgang nach Menge und Konsistenz 
normal, der Appetit gut. Patient unterhält sich lebhaft mit 
den andern Kranken, bringt aber auch dabei seine Beschwerden 
vor: er lebe keine zehn Stunden mehr. In der rechten 
Brustseite gebe es einen Ruck, dann stoße es im rechten
	        

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