Full text: Ein Beitrag zur Frage der nosologischen Stellung der Hypochondrie

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schwächen und weniger widerstandsfähig gegen Heize machen, 
die ihn von außen her treffen, sowie solche, die lästige 
und aufdringliche Empfindungen hinterlassen und dadurch 
die Aufmerksamkeit und Gedanken der Erkrankten immer 
wieder auf denselben Punkt hinziehen. 
In dieser Hinsicht handelt es sich in erster Linie um 
chronische Krankheiten der Verdauungs- und Geschlechtsorgane 
sowie um schwere chirurgische Eingriffe und Traumen. 
Die wichtige Rolle, die der Zustand des Verdauungs- 
tractus für das Allgemeinbefinden spielt, kennt auch der 
Gesunde. Es leuchtet ein, daß die geringste Unregelmäßigkeit 
in ungleich höherem Maße auf einen Menschen wirken muß, 
der jede noch so geringfügige Störung in seiner Organfunktion 
mit außerordentlicher Deutlichkeit wahrnimmt und sie durch 
Einbildung noch verstärkt. 
Von Erkrankungen der Sexualorgane kommen beim 
weiblichen Geschlecht insbesondere chronische Entzündungen, 
die Beschwerden der Gravidität und die Erscheinungen des 
Klimakteriums in Betracht. Eine viel wichtigere Rolle als 
hier spielt aber die Beziehung der Genitalien zur Hypochondrie 
bei den Männern. Denn neben die eigentlichen Erkrankungen 
der Geschlechtsorgane tritt hier noch die funktionelle Schwäche, 
eine pathologische Erscheinung, die beim Weibe kein Gegen 
stück hat. Sie führt zu steter Beobachtung und Überwachung 
der Vorgänge in den Sexualorganen und bietet mit den bei 
diesen Zuständen besonders typischen Angstanfällen ein sehr 
charakteristisches Bild der Hypochondrie. Doch darf die 
Bezeichnung sexuelle Hypochondrie, die wie die gastrische, 
spinale, cerebrale etc. nach der vorherrschenden abnormen 
Empfindung gewählt ist, als zu äußerlich nicht angewandt 
werden. 
In Übereinstimmung mit der Anschauung,* daß die 
Hypochondrie auf dem Boden der Neurasthenie erwachse, 
sehen wir häufig die Tatsache, daß Menschen an ersterer 
erkranken, deren Nervensystem erschöpft ist durch eine 
anstrengende oder verantwortungsreiche Tätigkeit ohne aus 
reichende Ruhepausen, die den ermüdeten Nerven die nötige 
Erholung bringen könnten. Indessen auch eine vorwiegend 
sitzende Lebensweise begünstigt die Entstehung der Hypochon
	        

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