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im Krankheitsbild vertreten sind, kann man mit Mendel
drei Formen der Hypochondrie unterscheiden:
1. Die einfache Hypochondrie oder Nosofobie, bei der
nur Angst vor dauerndem Siechtum oder Tod besteht,
ohne daß die Patienten im Augenblick außer unbe
stimmten Empfindungen krankhafte Symptome zeigen.
2. Hypochondrie mit Hallucinationen der Organgefühle,
die zur Furcht und Angst hinzutreten.
3. Die schwerste Form, bei der sich zu den Symptomen
der ersten beiden Abteilungen krankhafte Erscheinungen
im Gebiet der höheren Sinnesorgane hinzugesellen.
In auffallendem Widerspruch zu diesen schweren patho
logischen körperlichen und geistigen Symptomen stehen gewöhn
lich Schlaf und Appetit der Kranken. Beide sind in der
Kegel vortrefflich. Doch auch hier pflegt sich der Hypochonder
den gröbsten Selbsttäuschungen hinzugeben. Immer wieder
hört man ihn klagen, er müsse sterben, denn seit Tagen
habe er keinen Bissen mehr genießen, kein Auge mehr
schließen können.
Was die Ätiologie der Hypochondrie anlangt, so
kommt vor allen Dingen eine ererbte psychopathische Veran
lagung in Betracht. Sehr häufig wird nur die Neigung zu
nervösen und Gemütskrankheiten vererbt, doch sind auch
zahlreiche Fälle bekannt, wo die Anlage zu speziell hypo
chondrischer Verstimmung von den Eltern auf die Nach
kommenschaft übertragen wurde.
Den Grund zur Entstehung der hypochondrischen
Zustände hatte man vielfach in Erkrankungen des Körpers
zu finden geglaubt und demgemäß von einer Hypochon-
driasis cum materia in Gegensatz zur Hypochondriasis
sine materia gesprochen und unter dieser eine Krankheit
ohne jede* körperliche Grundlage verstanden. Da aber die
Organerkrankungen "heilen können, ohne daß eine Änderung
in der Intensität der Hypochondrie eintritt, da ferner die
Patienten sich in der Regel mit Befürchtungen wegen irgend
eines gesunden Organs quälen, ohne zu ahnen, daß ein
anderes tatsächlich erkrankt ist, so wird diese Unterscheidung
am besten fallen gelassen. Ursächlich kommen wohl nur
die Erkrankungen des Körpers in Betracht, die den Organismus
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