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Klinik aufgenommen wurden, nur 42 einen rein hypochon
drischen Symptomkomplex zeigten, und von diesen mußten
15 wieder ausgeschieden werden, da im Verlauf der Be
handlung klar wurde, daß es sich bei ihnen nur um das
hypochondrische Vorstadium anderer Psychosen handelte.
Bei 9 Fällen war die Zeit der Beobachtung zu kurz, bei den
übrigbleibenden 18 blieb das Zustandsbild durch Jahre hin
durch derart unverändert, ohne sich in eine andere Irreseins
form zu verwandeln, daß man von einem sicheren Bestehen
einer Hypochondrie als besonderer Krankheit sprechen konnte.
Auch von Böttiger werden Krankengeschichten mit
geteilt, die diese Anschauungen bestätigen, und auch wir
werden unten die Erscheinungen und den Verlauf eines
Falles schildern, der die Beibehaltung des Namens Hypochondrie
für eine selbständige Krankheit rechtfertigen dürfte.
Wenn wir uns also der Ansicht Wollenbergs über
die nosologische Stellung der Hypochondrie nicht anzuschließen
vermögen, so müssen wir ihm doch darin zustimmen, daß
von den bisher gegebenen Definitionen nicht eine ausreicht,
um ein Krankheitsbild klar abzugrenzen, das den Namen
Hypochondrie verdiente, daß vielmehr diese Umschreibungen
auch auf Zustände Anwendung finden könnten, die andern
Krankheiten angehören.
Um das Wesen der Hypochondrie zu erkennen, ist es
nötig, ihre hauptsächlichsten Erscheinungsformen etwas
näher zu betrachten.
Das charakteristischste Symptom der Krankheit besteht
in der veränderten Selbstempfindung mit Unlustgefühlen, die
sich zwangsweise immer wieder dem Kranken aufdrängen
und schließlich bei länger bestehender Dauer zu einer
depressiven Verstimmung führen. Diese kann auf den
Kranken selbst beschränkt bleiben, er kann sie aber auch
weiterhin auf seine Umgebung übertragen. Natur und
Menschen erscheinen ihm farblos, öde und traurig. Damit
verschwindet alles Verlangen nach Freude, jeder Genuß durch
die Annehmlichkeiten des Lebens. Immer wieder werden
die Gedanken der Kranken auf ihr eigenes Ich gelenkt.
Diese unausgesetzte Selbstbeobachtung liefert ihnen stets von
neuem die Bestätigung ihrer Befürchtungen und Sorgen

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