Full text: Ein Beitrag zur Casuistik der Neuritis multiplex alcoholica mit Korsakow'scher Psychose

Die genaueren anatomischen Kenntnisse über die multiple 
periphere Neuritis datieren erst seit den eingehenden Unter 
suchungen Leydens und Moelis in den 70er Jahren des vorigen 
Jahrhunderts. Freilich hatte schon mehrere Dezennien vorher 
Magnus Huß das Bild der alkoholischen Polyneuritis aus 
führlich geschildert, hatte aber spinale Veränderungen als 
anatomische Grundlage der Erscheinungen angenommen. 
Heute ist die periphere Polyneuritis eine klinisch und 
anatomisch durchaus erforschte Erkrankung. 
Pathologisch-anatomisch charakterisiert sie sich als eine, 
je nach Schwere des Falles an Ausbreitung und Stärke 
wechselnde, Degeneration der peripheren, fast ausschließlich 
der motorischen, Nerven. Nur in den akut einsetzenden Fällen 
zeigt sich auch das Endo- und Perineurium an dem Prozeß 
beteiligt und zwar in der Weise, .daß sich in ihm die Zeichen 
der akuten Entzündung finden. In den Fällen subakuter resp. 
chronischer Entwickelung des Leidens findet man nur das 
eigentliche Nervenparenchym selbst erkrankt. Hier ist der 
schollige Zerfall der Achsencylinder das Wesentliche. Haben 
wir es mit leichten Fällen zu tun, so ist derselbe auf die 
periphersten Ausläufer der motorischen Nerven beschränkt, bei 
schwererer Erkrankung ist die Degeneration auch in den 
großen Stämmen selbst nachweisbar. Dann findet man nicht 
selten auch degenerative Veränderungen der spinalen Vorder 
hornzellen selbst, eine Tatsache, die frühere Untersucher zu 
der Annahme einer spinalen Erkrankung veranlaßt hatte. Auch 
in den Hintersträngen, besonders den Goll’schen Bündeln, 
haben sich vielfach Zerfallsprozesse ergeben, selbst im Gehirn 
sind nicht selten Veränderungen zu konstatieren. Die Muskeln 
bieten zumeist das Bild der einfachen Atrophie, seltener das
	        
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