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sind. Das ganze Gebakren der senilen Patienten zeugt von
einer geistigen Armut, auch spielt der Affekt meist eine
größere Rolle.
Die Therapie ist leider, wie so häutig in der Psychiatrie,
auch bei der Korsakowscken Psychose wenig aussichtsvoll.
Vor allem ist natürlich der Alkohol, wenn er die Aetiologie
bildet, dauernd zu verbannen. Dann hat man dafür Sorge zu
tragen, daß psychische Schädlichkeiten nach Möglichkeit fern
gehalten werden. Langdauernde Bettruhe ist unbedingt ge
boten. Während der deliranten Phase ist eine Anstalts
behandlung kaum zu entbehren. Häufig wird man, gerade in
dieser Zeit, zu Schlafmitteln greifen müssen. Später ist das
Hauptaugenmerk auf eine kräftige Ernährung zu richten. Sind
die Patienten dazu imstande, so ist es durchaus erwünscht, sie
zu leichteren Beschäftigungen anzuhalten.
In der Klinik des Herrn Geh. Rat Prof. Dr. Sieinerling
hatte ich kürzlich Gelegenheit, einen schweren Fall von Poly
neuritis alcoholica mit ausgesprochener Korsakowscher Psychose
zu beobachten. Ich lasse die Krankengeschichte des
selben folgen.
Friedr. II., 57 Jahre alt, Dachdecker. Aufgenommen am
17. Juli 1905.
Anamnese, von der Frau erhoben:
Mutter und ein Bruder des Patienten sollen trinken.
Keine Geisteskrankheiten in der Familie. Patient früher keine
Krankheiten durchgemacht. In Straßburg bei der Artillerie
gedient. Seit 19 Jahren verheiratet, 2 gesunde Kinder, 4 klein
gestorben, 1 Abort. Lues negiert. Schon seit vielen Jahren
starkes Bierpotatorium, seit 1 Jahr daneben viel Grog, sehr
häufig seitdem betrunken. In der Trunkenheit nicht aufgeregt,
leicht lenkbar. Seit langer Zeit alle paar Monate Schwindel
anfälle, die in den letzten 3 Jahren an Häufigkeit, jedoch nicht
an Schwere, zugenommen haben sollen. Diese Anfälle be
standen in rasch vorübergehender Uebelkeit, Flimmern vor
den Augen, Unsicherheit der Beine, sodaß Patient sich setzen
mußte. Nur einmal, vor 8 Jahren etwa, unter Bewußtseins
verlust umgefallen, dabei kein Zungenbiß, keine Krämpfe,

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