Full text: Ein Beitrag zur Casuistik der Neuritis multiplex alcoholica mit Korsakow'scher Psychose

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der Neuritis auf den Vagus oder gar den Phrenicus ist die 
Lebensgefahr, wie leicht verständlich, eine unmittelbare. Im 
übrigen ist die Vorhersage, wenn nicht schwere interkurrente 
Krankheiten, wie vor allem Lungentuberkulose, hinzutreten, 
quo ad vitam günstig zu stellen. Handelt es sich um Korsa- 
kows anderer Aetiologie, so richtet sich die Prognose natürlich 
nach der Heilbarkeit der Grundkrankheit. 
Die pathologische Anatomie kann ich nur kurz streifen. 
Wenn dieselbe auch in den letzten Jahren bedeutende Fort 
schritte gemacht hat, so ist doch eine völlige Klärung bisher 
noch nicht erreicht. Neben Veränderungen im peripheren 
Nervensystem und im Rückenmark, wie sie der Polyneuritis 
eigen sind, zeigen sich immer mehr und mehr bestimmte Be 
funde in der Medulla spinalis und vor allem in den Großhirn 
hemisphären, die eine anatomische Grundlage der Psychose zur 
absoluten Gewißheit zu machen geeignet sind. Das Haupt 
gewicht ist wohl auf degenerative Vorgänge in bestimmten 
Fasersystemen und Nervenzellen der Hirnrinde zu legen. 
Namentlich im Gebiete der Zentralwindungen und des Stirn 
lappens fanden Siefert und Gudden ausgedehnten Schwund der 
Tangentialfasern und des intercorticalen Fasernetzes. Ver 
dickungen, Verfettung und Verkalkung, der Wandung kleinerer 
Hirngefäße mit oft zahlreichen kapillären Blutungen, wie 
letztere namentlich in rasch letal endenden Fällen zu finden, 
werden wohl mit Recht auf die chronische Intoxikation be 
zogen. Rückenmarks Veränderungen sind durchweg außer 
ordentlich zahlreich und verschiedenartig lokalisiert nachweisbar, 
im motorischen wie im sensiblen Gebiete. Die genaueren 
anatomischen Befunde aller bisher untersuchten Fälle findet 
man in der angegebenen Arbeit Wehrungs (s. Literaturverzeichnis) 
vortrefflich zusammengestellt. 
Es ergibt sich, daß der Korsakowschen Psychose ein das 
gesamte Nervensystem schädigender Prozeß zu Grunde liegt, 
der zum Teil die nervösen Elemente primär befällt, zum Teil 
durch Läsion des Gefäßsystems daselbst seine Wirkung ent 
faltet. Ob daneben noch eine Alteration der Blutzusammen 
setzung, die sich in Neigung zu Hämorrhagieen bekundet, an 
zunehmen ist, bleibt vorerst dahingestellt.
	        
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