Full text: Ein Beitrag zur Casuistik der Neuritis multiplex alcoholica mit Korsakow'scher Psychose

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anatomisch eine ausgedehnte parenchymatöse Neuritis. Auch 
Minkowsky macht darauf aufmerksam, daß eine Polyneuritis 
sehr wohl klinisch vollkommen verborgen bleiben könne. 
Es bleiben somit nur wenige sichere Fälle übrig, die eine 
Beziehung zur Neuritis durchaus unmöglich erscheinen lassen. 
Aber diese sind nicht hinwegzuleugnen. 
Wie die Polyneuritis sich am häufigsten auf dem Boden 
des chronischen Alkoholismus entwickelt, so kommt diesem 
auch für die Entstehung der Korsakowschen Psychose zweifel 
los aetiologisch „der Löwenanteil“ zu. Doch genügt sehr 
häufig die chronische Schädigung des Zentralnervensystems 
durch dieses Gift allein nicht, um die Psychose hervorzurufen, 
sondern es bedarf noch eines bestimmten auslösenden Momentes. 
Dieses ist derart häufig in einer akuten Affektion des Gastro- 
intestinaltraktus zu finden, daß Korsakow sich dadurch ver 
leiten ließ, das oft zu beobachtende initiale Erbrechen als ein 
zerebrales Sxmptom der Psychose selbst aufzufassen. Mönke- 
möller hat dagegen bei allen seinen Fällen, die Erbrechen 
aufwiesen, eine Erkrankung der Verdauungsorgane auffinden 
können. Nimmt man mit Baimann und Elzholz als das Wesen 
des chronischen Alkoholismus eine Schädigung des Organis 
mus, vor allem des Zentralnervensystems, durch ein „alkohol- 
ogenes Gift“ im Sinne von Wagners an, so ist die Bolle der 
Stoffwechselstörung als die eines auslösenden Momentes sehr 
wohl verständlich. In dem ohnehin schon schwer geschädigten 
Nervensystem finden die neu entstehenden Toxine sehr leicht 
einen Angriffspunkt, so daß nunmehr die Widerstandski’aft der 
nervösen Elemente dahin ist und die eigentlich auf die In 
toxikation zu schiebende Erkrankung nun erst zum Ausbruch 
gelangt. Als andere auslösende Momente finde ich unter 
anderen genannt: Schädeltraumen, epileptische Anfälle, In 
fluenza, Nierenentzündung, starke Erkältungen; alles Affektionen, 
die entweder als Infektionskrankheiten im obigen Sinne wirksam 
zu denken sind oder die durch körperliche resp. psychische 
Shokwirkung den letzten Anstoß zum Ausbruch der Psychose 
zu geben vermögen. 
Der Ausgang der Geisteskrankheit kann ein recht ver 
schiedenartiger sein.
	        
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