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Gedächtnisstörungen zu scherzen. Doch zeitweise können auch
depressive Zustände Platz greifen, besonders wenn gleichzeitig
polyneuritische Schmerzen hochgradiger Art die Kranken be
lästigen. Dann klagen sie viel über ihr Kranksein und neigen
zum Weinen. Freilich sind sie meist unschwer zu trösten und
werden schnell wieder heiter.
Die geistigen Funktionen, vor allem die formalen Denk
prozesse, weisen, wie nochmals betont werden muß, zumeist
kaum eine Schädigung auf. Häufig kann man sich mit der
artigen Patienten durchaus eingehend über abstrakte Dinge,
die eine intensive Denktätigkeit erfordern, unterhalten, natürlich
stets dem Bildungsgrade des betreffenden Kranken entsprechend.
Auch komplizierte Rechenaufgaben werden fast stets korrekt
gelöst. Gerade diese Integrität der übrigen psychischen
Funktionen neben der tiefen Gedächtnistrübung ist für die
Korsakow’sche Psychose durchaus charakteristisch und erlaubt
klinisch zumeist eine scharfe Abgrenzung von anderen Er
krankungen, die gleichfalls Anmesieen aufweisen.
Wir hätten nun kurz auf die Beziehungen unserer Geistes
störung zur Polyneuritis und auf die Aetiologie einzugehen.
Korsakow selbst gibt an: „daß man bei eingehender
Untersuchung immer irgend welche Anzeichen von Neuritis
finden könne.“ Indes hat sich diese Behauptung nicht in
vollem Umfange als haltbar erwiesen. Es sind im Verlaufe
der letzten 10 Jahre so viele Fälle veröffentlicht worden, bei
denen keine Spur einer Polyneuritis nachweisbar war (Mönke-
möller, Meyer und Raecke, Kaplan, Schultze u. a.), daß man
nicht mehr berechtigt ist, diese Erkrankung als „polyneuritische
Psychose“ zu bezeichnen. Ich finde in der mir zugänglichen
Literatur das Korsakowsche Syndrom ohne Neuritis beschrieben
in zahlreichen Fällen von chronischem Alkoholismus, in 3 Fällen
von Hirntumor, “endlich im Anschluß an Typhus, Influenza, an
eine Magenblutung, nach Schädeltrauma, nach Apoplexie. Doch
sind in der weitaus überwiegenden Mehrzahl der Fälle poly
neuritische Symptome in verschiedenstem Grade der Aus
bildung auffindbar. Es ist als die Regel anzusehen, daß die
somatischen und psychischen Erscheinungen — letztere meist
in Form einer deliranten Phase — gleichzeitig einsetzen.

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