Full text: Ein Beitrag zur Casuistik der Neuritis multiplex alcoholica mit Korsakow'scher Psychose

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Erzählungen ohne jeden Ausdruck des Affekts zu Tage. Nur 
selten kann man aus ihrem affektiven Verhalten direkt entnehmen, 
daß sie tatsächlich halluzinieren. 
Korsakow gibt an, daß die Patienten auffallend häufig 
von traurigen Erlebnissen berichten. Nach seinen Beobachtungen 
sollen Begräbnisszenen in den Confabulationen eine Hauptrolle 
spielen und sich nicht selten direkt zu Wahnideen festsetzen. 
Spätere Autoren konnten diese Beobachtung indes nicht bestätigen. 
Die übrigen psychischen Erscheinungen sind sämtlich als 
Folgezustände der genannten Hauptsymptome aufzufassen. 
Ist man auch meist leicht imstande, die Aufmerksamkeit 
der Kranken momentan zu fixieren, so hält es doch in der 
Regel schwer, dieselbe für längere Zeit zu fesseln, so daß 
körperliche Untersuchungen, bei denen es darauf sehr an 
kommt, wie z. B. Sensibilitätsprüfungen, oft ungenau ausfallen. 
Werden die Patienten ohne äußere Anregung gelassen, 
so verhalten sie sich zumeist durchaus ruhig und interesselos, 
allerdings immer erst in späteren Stadien der Erkrankung. 
Sie liegen apathisch, ohne sich um ihre Umgebung zu kümmern, 
da. Dieser Mangel an Initiative erklärt sich ungezwungen aus 
der Störung der Merkfähigkeit und des Gedächtnisses. Die 
Apathie stellt nicht, wie Korsakow meinte, eine besondere 
Erscheinungsform der Krankheit dar. Wenn die Patienten alle 
neuen Eindrücke sofort wieder vergessen, wenn neue Ideen nicht 
mehr haften und ihr Gedächtnis für das Vergangene mehr oder 
weniger große Lücken aufweist, so haben sie gar kein Interesse 
daran, auf ihre Umgebung zu achten oder sich mit irgend 
etwas zu beschäftigen. Freilich pflegt diese Stumpfheit nicht 
dauernd zu bestehen, sie wird hin und wieder von Zeiten einer 
gewissen Erregung und von Affektäußerungen unterbrochen. 
Besonders des Abends werden die Kranken zeitweise unruhig, 
fragen viel nach Ort und Zeit, wollen das Bett verlassen und 
nach Hause. Doch lassen sie sich stets leicht beschwichtigen 
und von ihrem Vorhaben abbringen. 
Während der Unterhaltung erweist sich die Stimmung 
in der Regel als zufrieden, euphorisch, ja oft sind die Kranken 
geneigt, infolge einer gewissen Krankheitseinsicht über ihre
	        
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