Full text: Die Oberflächenströmungen des Schwarzen Meeres

6 
warme, salzreiche und daher schwere Tiefenwasser entstammt offenbar dem 
Mittelländischen Meere und dringt von da ins Marmarameer und durch den 
Bosporus ins Schwarze Meer ein. Es mögen hier die Beobachtungen zweier 
besonders charakteristischer Stationen aus der Nähe des Bosporus Platz finden, 
wo das Meeresbecken noch relativ seicht ist, und daher die Gegensätze auf engem 
Raum um so stärker hervortreten: 
Station. . 
Tiefe. . . . 
m 
Temperatur 
°c. 
Nr. 54 
53—82.3 m 
Dichte (S^) 
(1891) 
Salzgehalt 
0/ 
Zoo 
Temperatur 
° C. 
Nr. 118 
82.3 m 
Dichte 
(1891) 
Salzgehalt 
0/ 
100 
0 
19.8 
ö 
GO 
17.7 
24.9 
1.0108 
18.2 
27.5 
13.3 
133 
18.1 
15.4 
130 
18.1 
45.7 
8.9 
141 
18.2 
9.6 
143 
18.1 
64 
9.6 
185 
24.1 
— 
— 
— 
69.5 
11.4 
256 
33.8 
' 
— 
— 
82.3 
— 
7.1 
202 
25.9 
Die in den Tiefen von 69.5 bzw. 82.3 m gefundenen Salzgehalte und 
Dichten zeugen deutlich von dem mittelmeerischen Ursprung des Wassers. 
Besonders auffallend sind die Angaben der Station 54, wo das Wasser in 
69.5 m Tiefe eine Dichte von 1.0256 bei einer Temperatur von 11.4° hat. Im 
Bosporus zieht an der Oberfläche ein gut meßbarer Strom in der Richtung 
vom Schwarzen zum Mittelländischen Meer. Ein Doppelstrom im Bosporus 
wurde bereits 1872 von Wharton, 1882 von Makaroff und 1884 von 
Magnagni konstatiert. Auch mehrfache, gut übereinstimmende Messungen 
wenigstens des Oberstromes liegen vor. Makaroff bestimmte den Wasser 
transport des ins Schwarze Meer dringenden Unterstromes auf 178 cbkm pro 
Jahr. Der von Wharton und de Gueydon (Revue maritime et eolon., 
tome 91, 1886) J ) ausgesprochenen Vermutung, es existiere im Bosporus in der 
Tiefe noch ein dritter Strom, der dieselbe Richtung wie der Oberstrom habe, 
ist nach den Resultaten der russischen Expedition nicht beizupflichten. 
Ich will hier kurz ein paar Ergebnisse heranziehen, die Spindler in einer 
der obengenannten ähnlichen Arbeit, 2 ) ausgesprochen hat. Auch im Marmara 
meer läßt sich eine Grenze zwischen Ober- und Unterstrom leicht in der Tiefe 
von 11 bis 27.5 m festlegen. Der Oberstrom kommt aus dem Bosporus, wo 
wir ihn bereits kennen, durchströmt das Meer in westlicher Richtung, um 
durch die Enge der Dardanellen ins Aegäische Meer auszutreten, während 
der Unterstrom, auch hier an dem salzreichen Wasser kenntlich, in entgegen 
gesetzter Richtung zieht. Im Bosporus nun senkt sich nach Makaroff diese 
Grenzfläche, die im größten Teil des Marmarameeres auf 13 bis 15 m fest 
zusetzen ist, von 20 allmählich auf 50 m herab. 
In Erwägung der auf S. 5 gegebenen Daten über die Schichtung der 
Temperaturen und in gutem Anschluß an die Lage der Grenzfläche am Aus 
gang des Bosporus habe ich dieselbe für das Schwarze Meer in 55 m (genau 
in 30 Faden = 54.9 m) festgelegt. Wie die Tabelle auf Seite 75 des Materials 
ergibt, liegt die niedrigste Temperatur im allgemeinen etwas tiefer als bei 
55 ni; doch ist in Rücksicht auf' die von Mohn und Engelhardt begründete 
Anweisung, die Grenzfläche eher etwas zu hoch als zu tief anzusetzen, an 
dieser Zahl festgehalten worden. 
Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß die Temperatur dieser Schicht 
mit der Wintertemperatur der Oberfläche annähernd übereinstimmt, welcher 
Umstand folgende Erklärung findet. Das relativ süße Oberflächenwasser 
kühlt sich im Herbst und Winter von etwa 23 bis 25° bis auf 6 bis 7° ab 
und wird dabei dichter als die darunter liegende Schicht. Eine Vertikal- 
!) Vgl. Krümmel: Ozeanographie II, 8. 298. 
-) Spindler: La Mer de Marmara, resiune des recherehes hydrologiques. St. Petersburg 1896.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.