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Auf S. 19 haben wir es als selbstverständlich betrachtet, daß die mit
Hilfe der Windfläche konstruierten Strömungen mit den vom Wind erzeugten
identisch sind. Hier zeigt sich aber, wenn wir den Kreis d A als Isohypse
der Windfläche ansehen, daß die aus der Windfläche gefolgerte Strömung die
Richtung A E hat, während die zur Konstruktion der Windfläche benutzte,
auf direktem Wege gefundene Strömung in der Richtung A W zog.
Beiläufig ergibt sich, wenn wir einmal ganz von den Stromrichtungen
absehen, auf theoretischem Wege noch ein Ergebnis über die Geschwindig
keiten, das mit unserem Resultat nicht in Einklang steht. Ist A W die Größe
der Wind-, A D die der Dichtestromkomponente, so muß die der Strom
geschwindigkeit entsprechende Größe AE = A D -)- A W, also auf jeden Fall
größer als A S sein, welch letztere Strecke als dritte Dreiecksseite kleiner als
die Summe der beiden anderen ist. Wir dagegen fanden für die mittels der
Stromfläche berechneten Geschwindigkeiten durchweg kleinere Größen als mit
der Konstruktion nach dem Kräfteparallelogramm. Für diese Erscheinung
habe ich eine Erklärung nicht zu finden vermocht.
Unsere Aufgabe beschränkt sich also darauf, der Ursache der Ver
schiedenheit in den Ergebnissen bezüglich der Stromrichtung nachzuspüren.
Wenn wir uns auch keineswegs Zutrauen, über diese Frage bereits das ent
scheidende Wort sprechen zu können, so dürften die folgenden Erörterungen
vielleicht den Weg zu deren Lösung ebnen.
Zunächst kam mir der Gedanke, die Strömung zieht nicht genau in
der Richtung der Linien gleicher Erhebung (vgl. S. 18), sondern weicht
ein wenig nach links ab. Dieselbe Annahme wäre dann auf die Dichte
strömungen zu übertragen. Letzteres deckt sich gut mit der bei der Theorie
der Dichtigkeitsfläche von Mohn und Engelhardt erörterten Tatsache, daß
eine solche Oberfläche eine Bewegung des Oberflächenwassers vom Rand nach
der Mitte hin hervorrufen muß. Halten wir also an der Richtung der Wind-
Fig. 2. Strömung A W fest, neigen die Richtung der Ober
flächen- und Dichteströmung AEundADein wenig
nach links bis AX (Fig.2) und konstruieren gleich
zeitig für diese veränderte Lage die Oberflächen
strömung nach dem Satz vom Parallelogramm
der Kräfte, so finden wir, daß dieselbe so lange
I von der mittels der Stromfläche gefundenen ab-
I weicht, bis sie beide und ebenfalls A S mit AW
I zusammenfallen. Dann wäre also AW die Richtung
I des Wind-, Dichte- und Oberflächenstromes.
Eine zweite mögliche Annahme wäre die: AW sei zwar die Wind-, aber
nicht die Windstromrichtung, sondern die Strömung sei gegen die Wind
richtung nach rechts abgelenkt. Ich bemerke, daß sowohl Mohn als auch
Wegemann von einer Ablenkung der Windtrift ganz absehen. Nach den
Beobachtungen auf dem Adlergrund beträgt dort die Rechtsablenkung durch
die Erdrotation 28° im Mittel, J ) ist also doch bedeutender, als man früher an
zunehmen geneigt war. Beachtet man, daß dieselbe mit der Breite wächst, so
dürfte man nicht weit fehlgehen, wenn man sie für die hier in Betracht
kommende Breite von etwa 45° = WAE setzt. Alsdann würde die Wind
strömung in die Richtung der Dichteströmung fallen und also auch der Ober
flächenstrom dieselbe Richtung haben. Dieser Fall würde also der bisher
gehandhabten Methode der Berechnung des Oberflächenstromes aus der Strom
fläche entsprechen.
Vielleicht ist eine mittlere Lage die richtige, wo also Dichte-, Wind- und
Oberflächenstrom etwa in die Richtung A X fallen. Doch muß ich mich auf
die bloße Andeutung' dieser Möglichkeit beschränken, da eine eingehende
Untersuchung aller hier in Betracht kommenden Faktoren zu weit führen würde.
') Dinklage: Die Oberflächen Strömungen im südwestlichen Teil der Ostsee und ihre Ab
hängigkeit vom Winde. Nach den Beobachtungen an Bord des Feuerschiffs »Adler-Grund«. »Ann.
d. Hydr. usw.« 1888, S. 1.
A

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