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Baeyer nimmt an, dass die sechs Kohlenstoffatome sich
infolge der Anziehung der freien Valenzen so um die durch
die Seiten des Sechsecks gebildete Achse drehen, dass ihre
Richtung nach innen zu in die Ebene des Ringes fällt. Die
sechs Angriffspunkte befinden sich dort in völlig symmetrischer
Lage und paralysieren sich gegenseitig so, dass sie für ge
wöhnlich nicht zur Geltung kommen. Die zentralen Valenzen
können nach Baeyer unter Umständen zu Doppelbindungen zu
sammentreten. Dies ist z. B. der Fall, wenn durch Wasserstoff
addition zwei von ihnen abgesättigt werden; aus den vier
übrigen zentrischen Valenzen entstehen dann zwei Doppel
bindungen.
Eine der Baeyerschen analoge Formel ist zur selben Zeit
von Armstrong aufgestellt worden.
Vor wenigen Jahren hat Thiele 1 ) eine Benzolformel vor
geschlagen, die auf der von ihm begründeten Theorie von den
Partialvalenzen beruht.
Wegen der Additionsfähigkeit der Körper mit doppelten
Bindungen nimmt er an, dass bei ihnen die Affinitätskraft nicht
völlig verbraucht wird, und deshalb an jedem der doppelt ge
bundenen Atome noch ein Affinitätsrest, eine sog. Partialvalenz,
frei bleibt. Dies drückt er durch das Schema aus
C = C,
in dem die punktierten Linien die Partialvalenzen bezeichnen.
Nun addieren aber die meisten Substanzen mit benach
barten Doppelbindungen
C = C — C = C,
für welche Thiele den Namen „konjugierte Doppelbindungen“
eingeführt hat, Wasserstoff und Brom nur an den endständigen
C-Atomen, dagegen nicht in der Mitte. Hier sind also keine
Partialvalenzen mehr vorhanden, sie haben sich gegenseitig
ausgeglichen:
') Ann. 306, 87 (1899).

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